Lektine

#1 von Jens , 29.06.2014 22:49

Hier gibt’s ein paper von Paleo-Altmeister Loren Cordain über Lektine:

http://www.direct-ms.org/pdf/MolecularMi...r/Arthritis.pdf

Ist etwas schwere Kost und nur für Leute verdaulich, die gut Englisch können.
Er rät von Getreideverzehr ab, da die Lektine die Darmschleimhaut (zer)stören und "leaky gut" machen.
Kann es fachlich nicht beurteilen, scheint mir aber logisch.
Wäre wieder mal ein Grund, auf Getreide zu verzichten.
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RE: Lektine

#2 von Chris (edubily) , 29.06.2014 23:32

Hey Jens,

dann solltest du aber auch keine Samen, Nüsse oder Bohnen mehr essen.
Weiterhin gehe ich davon aus, dass dies vor allem relevant ist bzgl Vollkornbrot, Vogelfutter, was ja sowieso keiner essen sollte.

Aber stimmt schon - man muss sich nicht jedem "Dreck" aussetzen. Aber aber eine Scheibe Schwarzbrot wird harmloser sein als 100g Nüsse. Wenn man Brot gegen Nuss tauschen möchte im Sinne einer low carb Diät.

LG, Chris


 
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RE: Lektine

#3 von Chris (edubily) , 29.06.2014 23:33

Übrigens: Danke für den Thread - ist ein gutes Thema!


 
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RE: Lektine

#4 von Markus , 30.06.2014 07:36

Pooideae (Süßgräser) enthalten wie einige andere Pflanzenfamilien Lektin. Weizen das Weizenkeim-Agglutinin WGA. Diese löst oft Autoimmunerkrankungen aus:

http://www.fasebj.org/cgi/content/meetin...Abstracts/898.3
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7581728

WGA hat unter den Lektnen eine Ausnahmestellung: es blockt als einziges auch Glycoprotein-Rezeptoren (etwa die Cholecystokinine) im Darm, die die Abgabe von Gallenflüssigkeit und Enzymen steuern. Fett und Eiweisse können daher also nicht mehr richtig aufgenommen werden, diese werden dann entweder ausgeschieden oder bei den weniger glücklichen im Dickdarm fermentiert. Die Gallensteine gibt's dann als Zugabe noch gratis!

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2297543

Ein anderes Problem sind die weiteren Proteine der Süßgräser, allen voran das Gluten. Eine Fraktion dacvon, das Gliadin, zerstört etwa die Enterocyten, deine Darmzellen:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1954879/

Es ahmt die Funktion des Zonulin nach, das die Öffnung der Tight Junctions in den Enterocyten steuert und macht den Darm somit durchlässig:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21248165
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22731712

Tja, wenn diese Gluten-Exorphine und Gliadorphine nicht wären, die sich da im Hirn an die Opioid-Rezeptoren binden....

Und wenn von den Phytaten haben wir dabei noch gar nicht geredet...


 
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RE: Lektine

#5 von Pong , 30.06.2014 10:17

Guten Morgen :-)
Das mit den Lektinen und Gluten war mir weitestgehend bekannt. Und doch habe ich eine Kleinigkeit übersehen, bzw. nicht den Zusammenhang erkannt... "Süßgräser"... Ich wusste tatsächlich nicht das Weizen ein Süßgras ist.
Der springende Punkt nämlich ist, meine Tochter hal all die Darmprobleme die man mit Zöliaki, Glutensenstivität, etc.( incl. Gallengries und das bereits mit 16 Jahren!)in Verbindung bringt, aber Antikörper und Biopsie sind negativ.
ABER sie ist hochgradig allergisch gegen sämtliche Gräser auch gegen Süßgräser. Wenn der Körper sich nun schon massiv gegen das einatmen der Pollen wehrt, wie schnell will er das Allergen wohl loswerden wenns im Körper ist?? Ist das ein falscher Gedanke oder sollte man das mal auch aus dieser Perspektive untersuchen?

LG
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RE: Lektine

#6 von Jens , 30.06.2014 10:22

Chris:

"Übrigens: Danke für den Thread - ist ein gutes Thema!"

Klar doch, stets gerne !!



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RE: Lektine

#7 von Jens , 30.06.2014 10:35

Markus,

danke, dass du diese Literatur Fundstellen ausgegraben hast.

Chris:

Für mich ergibt sich die Frage nach der Relevanz des LEKTIN Themas:
Soll man jetzt auf Getreide verzichten, wie es ja von vielen gefordert wird:

Davis (Kardiologe, "Weizenwampe")
Perlmutter (Neurologe)
Loren Cordain
Strunz inzwischen auch
Mercola
Jack Kruse (Renegade und "enfant terrible")

Die Liste derjenigen, die sich in diesem Lager tummeln, wird täglich größer.
Was mich persönlich betrifft: Ich schaffe es schon mal tageweise auf Brot zu verzichten, dann aber "überkommt's mich" nach 'ner Woche oder so und ich "muss" mir dann zum Frühstück 2-3 Schnitten Vollkornbrot reinziehen.
Das könnte dann wohl das "Sucht-Potential" (Endorphine) der Lektine sein. Das wir genetisch nicht auf Getreide angepasst sein, scheint wohl klar zu sein.

Wenn der Konsensus allerdings so ist, dass man auf Getreide (Lektine / Gluten) verzichten sollte, dann ziehe ich das durch !


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RE: Lektine

#8 von Markus , 30.06.2014 10:46

Hallo Corina,

Zöliakie-Tests sind leider sehr unspezifisch. Gluten besteht aus AFAIR 9 Subfraktionen, die meisten Tests gehen aber nur auf ein oder davon. Der Test kann daher oft falsch-negativ ausfallen. Am einfachsten ist es daher, Weizen, Gerste, Roggen und Dinkel für 1 Monat komplett wegzulassen.

Damit entfallen praktisch alle Fertig- und Tütenprodukte mit...Also alles selber aus Rohprodukten kochen. Und wenn du doch Gluten abbekommst in dieser Zeit, dann fange an, den Monat wieder von vorne zu zählen. So habe ich es bei mir rausgefunden...und so ganz nebenbei, nach zwei Monaten waren auf einmal 10kg Fett weg, die Verdauung normal und "tons of energy" da. Aber OK, das hatte ich gleichzeitig mit high protein begonnen.


 
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RE: Lektine

#9 von Markus , 30.06.2014 10:52

Hallo Jens,

Gegenfrage:; wieso bitte sollte ich Getreide (Weizen, Dinkel) essen? Was bietet es, was ich in ener nährstoffdichten Ernhährung NICHT hätte? Es ist billig, überall verfügbar und sozial kompatibel: OK. Aber gesundheitlich zumindest suboptiomal, für mehr Menschen. als man denkt sogar schädlich. Und es dockt an Opioid-Rezeptoren an, es macht süchtig. Ich bin aber gerne unabhängig.

Das Essen voon Gluten so alle 9 Tage reicht nach Dr. Fasano für die Durchlässigkeit der Tight Junction und damit für einen Leaky Gut bereits! Also wenn du Glutenfrei ausprobieren möchest, dann halte unbedingt drei oder vier Wochen aus, bei einer "Kontimentation" Reset und von vorne zählen. Dann erst wirst du evt. einen Unterscheid bemerken.



 
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RE: Lektine

#10 von Pong , 30.06.2014 12:14

Hallo Markus,
vielen Dank für deine Informationen!
Zum Glück koche ich schon sehr frisch. Fertig- oder gar Tütenfutter gibt s nicht. Lediglich vom Brot konnte sich mein Töchterchen noch nicht so ganz trennen, ich selbst esse ja schon länger kein Getreide.
Aber inzwischen ist der Leidensdruck meiner Tochter stärker als der Appetit nach Brot. Wir werden es gleich Heute angehn.

LG
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RE: Lektine

#11 von Chris (edubily) , 30.06.2014 13:40

Ich denke man darf den Bogen da auch nicht überspannen. Wenn jemand einmal in der Woche zwei Scheiben Vollkornbrot isst, dann kann man das schwer gleichsetzen mit einem typischen Konsum von Nudeln, Brötchen, Teigwaren, Brot jeden Tag, zu jeder Mahlzeit.

Ich brauche kein Brot. Aber ich denke nicht, dass mir eine Scheibe Schwarzbrot/Tag schadet.
Aber ich gebe Markus recht. Weizen, Gluten etc. ist definitiv nicht die Optimallösung, wir sind halt mal keine Vögel. Wieso nicht einfach mal ausweichen auf Wurzel?

Kohlenhydrate sind nicht gleichzusetzen mit Weizen, das vergessen einige immer.

Übrigens: Das "Nährstoff"-Argument lasse ich lange nicht mehr gelten. Obst, Gemüse sind da genau so schlecht. Die einzige Optimallösung ist Fleisch in hohen Mengen, ergänzt mit Organen. Aber das macht ja keiner, deshalb msus man das eben umgehen.



 
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RE: Lektine

#12 von Markus , 30.06.2014 14:15

Hallo Chris,

eine Glutenunverträglichkeit betrifft so zwischen 15 und 30% der Bevölkerung. Was für dich zutrifft kannst du daher in diesem Falle nur schwerlich verallgemeinern. Und wenn Gliadin bis zu 9 Tage lang deine Tight junctions stört und über diese so unverdaute oder nur teilweise verdaute Proteine in deine Blutbahn geraten und dein Immunsystem triggern (Hashi, Arthritis...? ), so ist da nichts mit "einmal in der Woche zwei Scheiben Vollkornbrot", sondern ist das bereits oft einmal zu viel. Nicht für jeden. Aber für viele. Und das Suchtverthalten sowie die 400 Kalorien, die man typischerweise als Weizenkonsuiment mehr isst (als ohne Weizen), interessiert die 60% Übergewichtigen und Fettleibigen hierzulande sicherlich auch; das kannst du von dir also auch nicht verallgemeinern.


Daher plädiere ich für jeden, diesen Monat Gluten-Karenz einmal alle 10 Jahre oder so für sich zu ausprobieren. Die Ergebnisse sind oft erstaunlich. In meiner näheren Verwandtschaft sind zwei Fälle von Crohn bzw. U. Colitis, da fehlt ein Teil des Dünndarms bzw. der ganze Dickdarm. Das ist dann kein Spaß mehr wenn man sowas bei jeder Familienfeier mitbekommt. Und man is(s)t vorsichtiger...better safe than sorry.

ich habe hier natürlich nicht von No Carb geredet, bei mir bin ich anfangs in eine VLC-Diät reingerutscht, ich hatte aber auch kaun Appetit, der kam erst nach Autophagie meiner viszeral gespeicherten Fettsäuren wieder Und (Süß)kartoffeln, Karotten, Reis und ballaststoffhaltige Wurzelgemüse esse ich seitdem auch, da habe ich keine Probleme mit. Ich komme nur seltennauf deutlich über 100gr CHO damit, da tut man sich schwer. Und an Nicht-Sporttagen reicht mir das auch vollkommen.

PS: Gluten enthält sehr viele Aminsosäuren als D-Isomere, die sind somit komplett nutzlos, wir haben ja auch keine Enzyme dafür. Was die eh schon sclechte Wertigkeit von Gluten nochmals sinken lässt...auch in Kombination mit anderen Proteinen die gleihczeitig gegessen werden: Knockout für dias Trypsin, die Proteine rutschen mit der Peristaltik einfach weiter nach unten! Somit Pech für die glutentoleranten Veganer!


 
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RE: Lektine

#13 von phil (edubily) , 30.06.2014 14:19

Zitat von Markus im Beitrag #9
....

Das Essen voon Gluten so alle 9 Tage reicht nach Dr. Fasano für die Durchlässigkeit der Tight Junction und damit für einen Leaky Gut bereits! Also wenn du Glutenfrei ausprobieren möchest, dann halte unbedingt drei oder vier Wochen aus, bei einer "Kontimentation" Reset und von vorne zählen. Dann erst wirst du evt. einen Unterscheid bemerken.


Interessante Info Markus,

Ich dachte eigentlich, so lange man "größtenteils" auf Weizen etc verzichtet wäre man schon aus dem Schneider. Es ist ja schon ein riesen Unterschied, ob man jetzt wie 90% der Deutschen Morgens, Mittags und Abends Getreide isst oder nur ab und zu.
John Kiefer (CBL "Erfinder") meint übrigens, dass man bloß nicht diese drei-vier Wochen auf Gluten verzichten soll, weil der Körper in der Zeit verlernt damit umzugehen.


 
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RE: Lektine

#14 von Chris (edubily) , 30.06.2014 15:03

Ich finde halt, dass viele dieser Autoren irgendwie vergessen, dass noch andere - viel wichtigere - Sachen gibt.

Kennt man von diesem Herr:
Es läge an zuviel Fett. Es läge an zu wenig Bewegung. Es läge am trägen Stoffwechsel. Oder ganz einfach: Es ist halt genetisch.

Alle meine Sportlerfreunde, die high fat gelebt haben (nicht hypokalorisch sondern isokalorisch) haben zugenommen. Träger Stoffwechsel habe ich persönlich selbst erlebt - T3 etc. Und genetisch: Ich kenne so viele Menschen, die einfach etwas untersetzt sind und von Natur aus 85-100kg wiegen. Die Genetik dabei abzustreiten ist wieder so... hirnrissig. Eigentich schon fahrlässig.

Was ich damit sagen will: Manchmal ist die Fokussierung auf eine Sache, eine Fokussierung zu viel.



 
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RE: Lektine

#15 von Markus , 02.07.2014 13:55

Hallo Chris,

auf ein Argument wollte ich noch eingehen:

"Übrigens: Das "Nährstoff"-Argument lasse ich lange nicht mehr gelten. Obst, Gemüse sind da genau so schlecht. Die einzige Optimallösung ist Fleisch in hohen Mengen, ergänzt mit Organen. Aber das macht ja keiner, deshalb msus man das eben umgehen."

Wenn du das jetzt ausschließend gemeint haben solltest, so ist das prinzipiell OK; nur solltest du dazu sagen, daß man das Fleisch dann aber auch direkt, sozusagen noch warm und roh, essen muss. Dann kannst du dich auch dauerhaft nur von Fleisch und Innereien ernähren. Ausschließlich. Tierische Stärke findest du nur im frisch geschlachteten Tier. Und von irgendwas müssen deine Glycoproteine ja gebaut werden und dein Mikrobiom ja leben.

Man sollte also bildlich gesprochen direkt auf der Weide ins frisch erlegte Tier beißen! Ansonsten "supplementiert" nan die Stärke und Ballaststoffe halt, zum Beispiel mit Obst und Gemüse. Dies macht es viel praktischer, zumindest wenn man nicht gerade als Buschmann durch die Savanne huscht oder als Eskimo über die Grönlandsee.

Richard Nkoley hat zu dem Thema ausgiebig gebloggt:
http://freetheanimal.com/2014/03/disrupt...prebiotics.html



 
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