Wirkung von Arachidonsäure

#1 von Speedy , 12.01.2015 10:35

Hallo zusammen,

ich habe in dem ein oder anderen Artikel/Buch gelesen, dass tierische Fette wegen ihres Gehaltes an Arachidonsäure (sollen entzündungsfördernd wirken) nicht zu stark konsumiert werden sollten. Ich bin gerade auf weiteren Meinungen zu dem Thema. In Chris Blog habe ich nur die folgende Aussage gefunden:

"Leider hat Arachidonsäure, eine n6-essentielle Fettsäure, einen schlechten Ruf: Sie ist wohl an proinflammatorischen Prozessen beteiligt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich kann eine AA-arme Ernährung bei Menschen mit (z.B.) Rheuma von Vorteil sein. Aber bei gesunden Menschen ist eine gesteigerte Produktion von proinflammatorischen Cytokinen nicht zu erwarten, im Gegenteil, AA wirkt auch antiinflammatorisch."

Die Aussage verstehe ich zwar, aber ein bisschen mehr Hintergrundinformationen wären super?

Gibt es hier vielleicht jemanden, der/die mich erhellen könnte?


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RE: Wirkung von Arachidonsäure

#2 von Chris (edubily) , 12.01.2015 10:52

Was magst du denn genau hören?


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RE: Wirkung von Arachidonsäure

#3 von Speedy , 12.01.2015 11:09

Hallo Chris,

stimmt, das hätte ich noch mehr ausführen können. Interessieren würden mich bspw. folgende Fragestellungen:

- Wenn Arachidonsäure einen schlechten Ruf hat, dann kommt der ja sicher nicht aus dem Nichts. Gibt es aussagekräftige Studien, die die entzündungsfördernden Eigenschaften untermauern?

- Gibt es auch gesicherte Forschungsergebnisse für die Gegenhypothese, dass Arachidonsäure auch positive Wirkungen hat?

- Ist Arachidonsäure tatsächlich ein Grund den Konsum von tierischen Fetten einzuschränken?

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich höre mir gerne die Argumente beider Seiten an, daher wäre ein Blick auf die aktuelle Forschung perfekt, sofern so etwas möglich ist.

Vielen Dank!


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RE: Wirkung von Arachidonsäure

#4 von Chris (edubily) , 12.01.2015 12:12

Zitat
- Wenn Arachidonsäure einen schlechten Ruf hat, dann kommt der ja sicher nicht aus dem Nichts. Gibt es aussagekräftige Studien, die die entzündungsfördernden Eigenschaften untermauern?
Dazu muss man wissen, dass Arachidonsäure die Ausgangssubstanz ist für die Synthese der Serie-2-Prostaglandine, die essentiell sind für die Entstehung von Entzündungen. Genauer: Serie-2-Prostaglandine speisen und verursachen Entzündungen. Viele Medikamente, die Entzündungen hemmen, tun das, indem sie Enzyme hemmen, die weitere Reaktionen von Arachidonsäure katalysieren. Serie-2-Prostaglandine sind also immer auch da, wo Entzündungen sind. Genauer: Entzündungen sind da, weil S2P da sind.

- Gibt es auch gesicherte Forschungsergebnisse für die Gegenhypothese, dass Arachidonsäure auch positive Wirkungen hat?
Positive Wirkung auf was? Das ist eine wichtige Frage, denn wenn jemand unter einer chronischen Entzündung leidet, dann wäre es sicherlich nicht ratsam, die entsprechenden Signalwege weiter zu speisen. Umgekehrt aber herrscht in Gesunden eine Balance und es nicht damit zu rechnen, dass Arachidonsäure Nachteile hat. Aus Arachidonsäure können aber auch anti-entzündliche Substanzen gebildet werden wie Lipoxin A4 und Epoxyeicosatriensäuren. Es ist aber ungeklärt (= mir nicht bekannt) in wie weit bzw. wann pro- bzw- anti-inflammatorische Signalwege eingeschlagen werden. (http://circ.ahajournals.org/content/119/6/902.long)

- Ist Arachidonsäure tatsächlich ein Grund den Konsum von tierischen Fetten einzuschränken?
Ja und nein. Viele scheren die Ausgangsstufe (Linolsäure) und Arachidonsäure über einen Kamm. In vielen Lebensmitteln ist die Vorstufe Linolsäure (ebenfalls eine n6-Fettsäure) enthalten. Die Umwandlung im Körper ist allerdings sehr marginal.In der Tat zeigt sich (leider habe ich die Studie gerade nicht an der Hand), dass wir Menschen hauptsächlich diese n6-Fettsäure in unserem Fettgewebe haben (als Marker für die Aufnahme). Die tägliche Aufnahme von Arachidonsäure beläuft sich (als Beispiel für eine "western diet") in Australien auf circa 100-130 mg (http://jn.nutrition.org/content/125/10/2528.full.pdf). Wenngleich die Arbeit schon etwas älter war, denke ich nicht, dass sich am Konsumverhalten bezüglich Wurst und co. dramatisch viel geändert hat. Heißt: Arachidonsäure ist sowieso kein nennenswerter Bestandteil unserer Ernährung, sofern man sich nicht nur von Tierfett ernährt. Selbst 1,5 g Arachidonsäure, gegeben an Gesunde, ändert nichts an entsprechenden Entzündungsmarkern.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ich höre mir gerne die Argumente beider Seiten an, daher wäre ein Blick auf die aktuelle Forschung perfekt, sofern so etwas möglich ist.


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zuletzt bearbeitet 12.01.2015 | Top

RE: Wirkung von Arachidonsäure

#5 von Speedy , 12.01.2015 13:08

Vielen Dank für die so schnelle und hilfreiche Antwort!

Genau solch eine Antwort hatte ich mir erhofft!


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