Vitamin A - Vitamin or Villain?

#1 von kurtextrem , 22.08.2018 23:04

http://180degreehealth.com/vitamin-vitamin-villain/

Interessante Punkte nennt er da. Allerdings erscheint mir einiges etwas weit hergeholt, wenn auch plausibel.
Was würdet ihr dazu sagen?

Zu viel Vitamin A ist schädlich, schon klar, aber zwischen den Zeilen steht dort ja quasi Vitamin A meiden.


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#2 von Steffen , 23.08.2018 09:06

Hey kurtextrem,

du hast Recht es ist soweit hergeholt das es schon lustig ist mit "dem Beweis" der Familie Anderson und ihrem Bild wo sie so blendend jung aussehen weil sie seit 17 Jahren kein böses Vitamin A genommen haben und die lieben Kleinen die noch nie in ihrem ganzen Leben Vitamin A hatten und hey sie haben nicht mal Brillen.

Man könnte meinen es ist Satire

Grüße
Steffen


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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#3 von Chris (edubily) , 23.08.2018 09:51

Mit Vitamin-A-Mangel spaßt man nicht! Von wegen es ist kein "essentielles Vitamin" – stimmt! Eher ein essentielles Hormon (Retinsäure). Matt Stone ist ja sehr nahe an Ray Peat, der auch immer wieder betonte, dass zu viel Vitamin A die Schilddrüsenleistung unterdrücke. Peats Philosophie aber ist darauf ausgelegt, die maximal hohe Menge von SD-Hormonen zu provozieren – egal, ob das dann "normal" ist oder eine kompensatorische Überproduktion. In einer Studie habe ich zum Beispiel mal gelesen, dass Vitamin-A-Mangel die SD-Hormone im Blut erhöht. Daraus folgert Peat dann, dass Vitamin A die SD-Leistung unterdrückt. Das Gleiche macht er bei essentiellen Fettsäuren: Hier wurde mal gezeigt, dass Tiere hyperphagisch werden, wenn sie zu wenige dieser Fettsäuren essen. Hyperphagisch bedeutet, dass sie auch bei hohem Kalorienkonsum Probleme haben zuzunehmen. Wieder so ein Trugschluss: Er folgert daraus, dass essentielle Fettsäuren die Stoffwechselleistung unterdrücken. ^^ Die Argumentation ist schon amüsant. Aber auch gefährlich!

Dazu kann man nur sagen: Vorsicht vor Spinnereien!


Chris Michalk


apmulapmu, Taren und kurtextrem haben sich bedankt!
 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#4 von kurtextrem , 24.08.2018 09:30

Vielen Dank Chris!

Eine Frage, die ich mir beim lesen gestellt hatte: (abgesehen von "Warum hab ich sein Newsletter abonniert?")

Weshalb können eine Großzahl von Menschen Beta Carotin nicht umwandeln? (also aus evolutionstechnischer Sicht, das bio-chemische weiß ich)


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#5 von Chris (edubily) , 24.08.2018 09:54

Na, weil der Mensch im Laufe der Evolution vermehrt auf tierische Kost und damit bessere Vitamin-A-Quellen umgestiegen ist.

Andere Primaten werden mit der Umwandlung vermutlich kaum Probleme haben.


Chris Michalk


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#6 von ChristineH , 24.08.2018 12:16

Zitat von kurtextrem im Beitrag #4
Weshalb können eine Großzahl von Menschen Beta Carotin nicht umwandeln? (also aus evolutionstechnischer Sicht, das bio-chemische weiß ich)


Wie viel des aufgenommenen β-Carotins ein Mensch wirklich in Vitamin A umwandeln kann, hängt von seiner genetischen Situation ab. Große Teile der Bevölkerung tragen auf mindestens einem der beiden BCMO1-Gene Variationen, die die Umwandlung – ohnehin schon wenig effektiv (nur 3 % oder weniger der aufgenommenen Carotinoide werden absorbiert, die Umwandlung beträgt dann bei manchen Pflanzen nur einen Faktor von 28:1 Betacarotin zu Retinol) – um bis zu 70 % herabsetzen. Für manche Menschen ist es somit nahezu unmöglich, den Vitamin A-Bedarf durch rein pflanzliche Ernährung zu decken.

https://www.thepaleomom.com/genes-to-kno...nversion-genes/


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#7 von Taren , 24.08.2018 14:24

Meine Meinung: Was man zumindest nicht machen sollten, ist Vitamin A zu supplementieren, ohne seinen konkreten persönlichen Wert zu kennen.


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#8 von Chris (edubily) , 24.08.2018 15:06

Zitat
Meine Meinung: Was man zumindest nicht machen sollten, ist Vitamin A zu supplementieren, ohne seinen konkreten persönlichen Wert zu kennen.



Na ja: Es gibt quasi kein Zuviel Vitamin A, wenn man es z. B. aus Leber konsumiert im Vgl. zum NEM. Die Vitamin-A-Konzentration im Blut ist extrem gut reguliert und wird daher auch kaum Aussagekraft zum tatsächlichen Füllstand der Speicher geben. Wer pro Woche 50.000IE via Nahrung (Leber) zuführt, der ist auch auf lange Sicht auf der sicheren Seite.


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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#9 von ChristineH , 24.08.2018 18:13

Ich schieb noch das hier hinterher: https://chrismasterjohnphd.com/2018/08/1...vitamin-status/

Chris Masterjohn forscht seit vielen Jahren zu den fettlöslichen Vitaminen.

(Transskript ist direkt darunter, falls jemand - wie ich - nicht gerne Videos guckt, sondern lieber liest)


 
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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#10 von DocMo , 15.10.2018 14:01

Ich lese hier auf Edubily sowie in den Büchern immer wieder als Empfehlung 50.000IU.

Jedoch hier:
The acute and chronic toxic effects of vitamin A https://academic.oup.com/ajcn/article/83/2/191/4649798
findet man: "Daily intakes of > 25 000 IU for > 6 y and > 100,000 IU for > 6 mo are considered toxic"

Das verunsichert mich jetzt ein wenig.


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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#11 von Chris (edubily) , 15.10.2018 14:10

Zitat
Ich lese hier auf Edubily sowie in den Büchern immer wieder als Empfehlung 50.000IU.



Als tägliche Empfehlung liest du das von uns ganz sicher nicht! Jedenfalls nicht für "> 6 y" oder "> 6 mo".

LG Chris


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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#12 von DocMo , 16.10.2018 14:58

Hi Chris,

die Kunst ist es wohl die richtige / optimale Dosis zu finden bzw. Kosten vs Nutzen abzuwägen. Es gibt jedoch sehr widersprüchliche Studien dazu, die einem es nicht leicht machen, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Unter:
Vitamin A: Der verkannte Stoffwechselbeschleuniger
schreibst du bzw fasst du eine Studie richtigerweise folgendermaßen zusammen:
"41 Teilnehmer durften 16 Monate lang entweder 25.000 IE, 50.000 IE oder 75.000 IE Vitamin A, gegeben als Retinylpalmitat, schlucken. Abgesehen davon, dass die – in “unserer Welt” – “exorbitanten” Vitamin-A-Gaben keinerlei Toxizität erzeugten, sprechen die Ergebnisse für sich...."

Dem gegenüber steht die Aussage aus der von mir zuvor zitierten: ""Daily intakes of > 25 000 IU for > 6 y and > 100,000 IU for > 6 mo are considered toxic".

Irgendwann gab es auch mal hier einen Artikel, aus dem hervorgeht, dass Naturvölker täglich 50.000 IU aufnehmen.

Als dauerhaft sicher sind gelten nach offiziellen angaben 10.000 IU Vit. A.

Bei dem Vitamin D gibt es einen optimalen Blutspiegelbereich. Man kann in etwa die benötigte Menge zum anheben auf bzw. zum halten dessen mitlerweile gut abschätzen.

Vielleicht ist es beim Vitamin A ähnlich. Leider sind mir keinerlei Werte bekannt, bzw findet man widersprüchliche Aussagen.



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RE: Vitamin A - Vitamin or Villain?

#13 von Chris (edubily) , 16.10.2018 19:37

Ja, es ist wirklich etwas kompliziert mit Vitamin A.

Grundsätzlich sollte man schon mal strikt unterscheiden zwischen Vitamin A aus Ergänzungsmitteln und Vitamin A aus Leber:

Zitat
The peak plasma concentrations (Cmax) of all-transretinoic acid, the principal teratogenic metabolite of retinol, and the area under the concentration-time curve (AUC) were up to 20-times higher after supplements compared to the same dose as liver.


(https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8198828)

Die von mir genannte Studie aus dem von dir verlinkten Artikel von uns soll lediglich Ängste nehmen und zeigen: Hier gab es eine gut gemachte Studie mit einer relativ hohen Zahl an Probanden. So viele muss man für eine solche Vitamin-A-Studie erst mal rekrutieren. Und sie zeigt: Sehr hohe Dosen Vitamin A sind über einen Zeitraum von einem Jahr erst mal "sicher".

Die von dir genannte Studie sagt ja:

Zitat
Daily intakes of > 25 000 IU for > 6 y and > 100,000 IU for > 6 mo are considered toxic



Da steht ja nicht, dass es tatsächlich so ist, sondern dass es angenommen wird. Wobei selbst hier hohe Dosen vorkommen: 100.000 IE für 6 Monate – ich kenne niemanden, der je so viel Vitamin A zu sich genommen hat.

Darauf hin habe ich mich gefragt, was aus evolutiver Sicht Sinn ergibt mit Blick auf Vitamin-A-Konsum etc. Ich glaube: die von Gesellschaften empfohlenen 3000 IE sind gar nicht schlecht, allerdings eher am unteren Ende angesiedelt.

Nimmt man mal die Mikronährstoffwerte von Leber, fällt auf, dass sie (pro +/- 100 g) gewisse Mikros (Kupfer, B12 z. B.) in einer Dosis gibt, die für 1, 2, 3 Wochen ausreichen würden, käme keine andere Nährstoffquelle für diese Mikros dazu. Rechnen wir davon ausgehend (+ mit der Annahme, dass Leber die einzige nennenswerte Vitamin-A-Quelle in der Ernährung ist) mit einem Vitamin-A-Wert von ca. 70.000 IE pro 100 g Leber pro 1, 2, 3 Wochen, kommt man auf Tageswerte von 10k bis 3k. Thema erledigt.

1) Wir haben definitiv genug Vitamin A im Körper.
2) Wir sind sicher, weil Vitamin A aus Leber eben nicht Vitamin A aus NEM ist.
3) Wer keine Leber mag, hält sich an konservative Vitamin-A-Dosen via NEM.

So aus meinen eigenen Experimenten schließe ich, dass 3000 IE ausreicht, 10k pro Tag iO ist, aber alles drüber a) nicht nötig und b) eher nicht mehr so förderlich ist.

LG Chris


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