Organische Säuren im Urin - Hilfe bei Ergebnisbewertung

#1 von Ludwig , 13.07.2017 17:58

Habe mir vor kurzem zur jährlichen Kontrolle wieder einige Laborwerte ermitteln lassen.

Wie immer nicht ganz einfach, beim Arzt wirklich die Tests zu bekommen, die man haben will, auch wenn man die selber zahlt.

Habe mir diesmal die Organischen Säuren über den Urin bei biovis bestimmen lasse.
http://www.biovis-diagnostik.eu/resource...aeuren_0416.pdf
Hier der englische Guide zu dem Test mit mehr Erläuterungen:
https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&...2hNsxwHJjbxHxPQ

Werde die Ergebnisse nächste Woche mit meiner Ärztin besprechen. Habe da nur so eine Ahnung, dass Sie bei der Interpretation der Ergebnisse auch nicht so geübt sein wird. Deshalb möchte ich da ein bischen vorarbeiten und die möglichen Interpretationen verstehen.

Im Anhang das Testergebnis und als zusätzliche Interpetationshilfe meine sonstigen Laborergebnisse in einem PDF.
Wie ich mich ernähre hatte ich mal hier genauer beschrieben.
Weizen-Restriktion und Erlebnisse


Nun zu den auffälligen Werten im Test der Organischen Säuren und meinen Fragen dazu:
Habe die Laborerläuterungen aus dem angehängten Laborergebnis immer unter dem Wert kursiv eingefügt, damit man das einfacher nachvollziehen kann.

Beta-Hydroxybutyrat ist erhöht (normal < 9,9 gemessen 245,03)
Ketonkörper entstehen bei niedrigem Blut-Glukosespiegel, als Nebenprodukt der Fettverbrennung in den Mitochondrien der Leberzellen - zum Beispiel bei Hungerstuständen oder bei einer verminderten Aufnahme von Glucose in die Zellen, wie es bei Diabetes häufig vorkommt.

Da bin ich ja etwas über den Normwert hinausgeschossen. Das sollte von der kohlehydratarmen und eher fettreichen Ernährung verursacht sein.
Diabetes schließe ich aufgrund der Laborwerte aus. :-)
Idealerweise sollte man die Ketonkörper aber nicht über den Urin ausscheiden sondern besser verwerten.
Wäre mal interessant was für Werte hier wirklich ideal sind, und ob die vielleicht auch stark vom Essverhalten am Vortag geprägt sind?


Fumarat is erhöht (normal <1,35 gemessen 2,00)
Es sollte zunächst eine externe Furmarsäurezufuhr ausgeschlossen werden. Liegt diese nicht vor, könnte ein vermehrter Fumarsäureaufbau aus Phenylalanin, bzw. Tyrosin vorliegen, was für eine katabole Stoffwechsellage sprechen kann. Eine Überprüfung des Aminosärestatus und Merkern einer Katabolie (u.a. Harnstoff, Kreatinin, Harnsäure, und LDH).
Fumarat entsteht im Ziotronensäurezyklus aus Succinat (Bernsteinsäure), das hierfür notwendige Enzym ist Succinatdehydrogenase, auch Komplex II der mitchondrialen Atmungskette. Es ist das einzige membrangebundene Enzym des Citratzyklus und als Komplex II der Atmungskette direkt in der Elektronentransportkette der Mitochondrien eingebunden. Das Enzym katalysiert die Oxidation von Succinat zu Fumerat und die Rekuktion von Ubichinin (Coenzym Q10) zu Ubichinol.
Die Succinatdehydrogenase ist zudem ein komplementärmedizinisch relevantes Enzym, da die Übertragung der Elektronen durch Riboflavin (Vitamin B2: FAD <--> FADH) und vor allem Ubichinon <--> Ubichinal (Coenzym Q10) erfolgt. Die Ribofllavin-Derivate sind dabei auch für die Funktionen des Enzyms relevant; Vitamin B2 Mangel kann also zu einem niedrigen Fumarat führen.
Neben der Bedeutung der Fumarat im Zitronenzyklus hat Fumarat immunmodulierende Wirkungen und kann z.B. das Interleukin-2 senken. Dadurch können Fumarsäure und -Derivate auch bei Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden, wobei sich bisher vor allem der Einsatz bei Psoriasis bewährt hat.


Externe Zufuhr in signifikanter Menge kann ich mir nicht vorstellen (http://lebensmittel-warenkunde.de/lebens...umarsaeure.html).
Harnsäure war unauffällig beim Test. Muss mann um Katabolie auszuschließen die anderen Marker auch noch messen?
Wenn der Wert erhöht ist, heißt das dann, dass die Weiterverarbeitung von Fumarat im Citratzyklus nicht ausreichend klappt oder dass in der Stufe zuvor Succinat -> Fumarat einfach zuviel produziert wird weil vielleicht zuviel Succinatdehydrogenase da ist?
Kann man das erkennen, wenn ja wie? Oder kann das auch beides gleichzeitig passieren?
Ansonsten scheint das ja auch Vorteile zu haben.

Alpha-Ketoisovalerat ist erhöht (normal < 0,49 gemessen 3,66)
Alpha-Ketoisovalerat ist die Ketonsäure die im Abbau der verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA), Valin, Leucin, Isoleucin entsteht. Bei der autosomal-rezessiv vererbten Stoffwechselerkrankung Ahornsirupkrankheit wird Alpha-Ketoisovalerat vermehrt im Urin ausgeschieden. Die Reaktion erfordert Enzyme, deren Co-Faktoren B-Vitamine und Alpha-Liponsäure sind.
Erhöhte Alpha-Ketoisovaleratspiegel erlauben eine funktionelle Beurteilung der Versorgung mit den Vitaminen B1, B2, B3, B5 B6, Alpha-Liponsäure und Mangnesium.


Ahornsirupkrankheit schließe ich mal aus (https://de.wikipedia.org/wiki/Ahornsirupkrankheit). Dafür geht es mir zu gut, wenn ich mir die Symptome anschaue.

Ich baue also vermehrt die BCAA Aminosäuren ab. Das bedeutet ich baue sie vermehrt aus meinem Körper ab? Also eine Katabole Stoffwechsellage und eher schlecht?
https://books.google.de/books?id=zDKhc6G...valerat&f=false
Oder geht es hier um die Verarbeitung der BCAA die aus der Nahrung aufgenommen werden, aber nicht ausreichend verarbeitet werden (weil eventuell einer der genannten Stoffe fehlt)?


Xanthurenat ist erhöht (normal < 0,46 gemessen 0,66)
Die Konzentration von Xanthurenat im Urin ist bei Störungen des Tryptophan-Stoffwechsels, die durch Vitamin B6-Mangel enstehen, erhöht. Auch durch verstärkte Induktion der Trypthophan-2,3-Dioxygenase durch Östrogen (Pille) kommt es zu erhöhter Xanthurensäurebildung.
Vitamin B6-Mangel und chronische Endzündungen führen dazu, dass L-Kynurenin und 3-Hydroxy-L-Kynurenin vermehrt in Kynurensäure und Xanthurensäure umgewandelt werden und verstärkt im Urin nachweisbar sind.
Xanthurensäure kann Komplexe mit Insulin bilden und damit dessen Wirksamkeit reduzieren und die B-Zellen der Pankreas schädigen.
Erhöhte Xanthurensäurespiegel induzieren freie Radikale. Die hydroxylierte Quionstruktur der Xanthurensäure bindet Eisen und bildet so einen Komplex, der die DNA oxidativ schädigt (Murakami et al., 2006)


Liege ja noch nicht soviel über dem normlen Maximalwert.
Vitamin B6 wurde gerade im Plasma gemessen und war mahr als ausrechend vorhanden. CRP war auch unauffällig.
Also vielleicht schon irgendwas, was im Tryptophan-Stoffwechsels nicht optimal funktioniert, aber was?



5-Hydroxyindolessigsäure ist vermindert (normal 1,6 - 9,8 gemessen 1,50)
5-HIES ist ein Abbauprodukt von Serotonin. Verminderte Werte deuten auf Serotoninmangel hin. Ein Serotonin/Trypthophan/Kynurenin-Bloodspot könnte Hinweise auf die Ursache (Entzündungen) geben.

Liegt ja nur knapp unter die Minimalwert. Aber wieder ein Hinweis auf einen gestörten Tryptophan-Stoffwechsels. Habe eigentlich nicht das Gefühl einen Serotoninmangel zu haben, aber was weiß ich schon. Hinweise auf Entzündungen (CRP) gab es eigentlich nicht.


Die Kynureninsäure ist erhöht (normal < 1,5 gemessen 1,94)
Kynureninsäure entsteht im Zuge des enzymatischen Abbaus der Aminosäure Tryptophan aus der Vorstufe L-Kynurenin über das Enzym Kynurenin-Aminotransferase. Sie wirkt im Gehirn als NMDA- und Acetylcholinrezeptorantagonist. Ein Ansteigen der Kynureninsäure führt zu eber glutamaterg-dopaminergen Dysbalance, mit Einschränkungen der kognitiven Funktionen.
Darüber hinaus wirkt Kynureninsäure im gesamten Organismus als Radikalfänger udn kann Lipidperoxidation senken. In der Literatur wir ihr (in Physiologischer Konzentration) eine neuroprodektive Rolle zugewiesen (Gulaj et al. 2010).
Die in einer Studie erhobenen Daten weisen darauf hin, dass Kynureninsäure eine neuromodelierende Rolle im ZNS besitzt und, abhängig von der Konzentration, einen inhibierenden oder aktivierenden Effekt ausüben kann. (Erhard et al., 2001; Hilmas et al., 2007)


Hmmm "Einschränkungen der kognitiven Funktionen" hört sich nicht richtig gut an, was danach kommt schon eher.
Auf jeden Fall spielt die Kynureninsäure auch wieder eine Rolle im Tryptophan-Stoffwechsel. Der schein bei mir vermehrt den Pathway zu Kynurenine und Xanthurensäure zu gehen. Die Frage ist nur warum?


Citramalsäure ist erhöht (normal < 0,96 gemessen 2,4)
Citramalsäure ist ein Stoffwechselprodukt von Hefen und aneroben Bakterien. Eine erhöhte Konzentration imUrin weist auf eine vermehrte intestinale Besiedelung mit diesen Keimen hin. Es sollt eine Darmsanierung mit Probiotika durchgeführt werden.


Probiotika habe ich die letzten Monate schon prophylaktisch zeitweise eingenommen. Scheint nicht ausgereicht zu haben. Werde hier erst mal eine Darmflora-Analyse von verisana machen und dann mal sehen was das Ergebnis zeigt.





Also bin für jeden Hinweis oder auch begründete Spekulation zu den möglichen Ursachen der Werte dankbar.

Grüße Ludwig

Dateianlage:
2017_06_14_Bioviz OrgSäuren.pdf Laborwerte 17-06.pdf

 
Ludwig
Beiträge: 11
Registriert am: 08.11.2016


RE: Organische Säuren im Urin - Hilfe bei Ergebnisbewertung

#2 von Ludwig , 17.07.2017 10:16

Eine recht verständliche Darstellung der Indolamin-2,3-Dioxygenase (IDO) als zentraler Regulator
des Tryptophan-/ Kynurenin-/ Serotonin-Haushaltes habe ich hier gefunden:


http://www.inflammatio.de/fileadmin/user..._Aktivitaet.pdf


Ausgehend von der Vermutung einer erhöhte IDO-Aktivität (wegen vermehrter Ausscheidung der Kynurenine) würde ich das an Symptomen aktuell nur an dem nicht so guten Durchschlafverhalten festmachen können. Die anderen mögliche Symptome (Stimmung, Appetit, Sexualverhalten) sehe ich aktuell nicht.

Da ich schon mit dem Gedanken einer Trypthophan Supplementierung wegen des Durchschlafverhalten beschäftigt habe, scheint mir dies bei möglicher erhöhter IDO-Aktivität zumindest auch erhebliche Nachteile bringen zu können (siehe Infos unter dem o.g. Link).

Einen Videovortrag zu dem Thema gibt es auch:


www.inflammatio.de/fortbildung/archiv/de.../14-januar-2015



 
Ludwig
Beiträge: 11
Registriert am: 08.11.2016

zuletzt bearbeitet 17.07.2017 | Top

RE: Organische Säuren im Urin - Hilfe bei Ergebnisbewertung

#3 von marcolino , 17.07.2017 12:07

Hallo Ludwig,

auf Seite 2, unten links, deiner Laborwerte steht

"Parameter Blutbild adaptiert"

Kennst du zufällig die Bedeutung?

LG marcolino


marcolino  
marcolino
Beiträge: 570
Registriert am: 06.02.2016


RE: Organische Säuren im Urin - Hilfe bei Ergebnisbewertung

#4 von Ludwig , 17.07.2017 16:55

Die gemessenen Werte der Mineralanalyse des Vollblutes werden anhand der gleichzeitig ermittelten Hämatokritwerte angepasst (adaptiert), damit sie dem HK-Wert entsprechen, für den die Referenzwerte ermittelt wurden (z.B. 42%). Wenn der eigenen HK-Wert dann von diesem Referenz KK Wert abweicht, wird das auf diese Basis umgerechnet.
Das hat erhebliche Auswirkungen. Also ein Wert der nicht adaptiert erhöht war, kann nach Adaption zu niedrig sein und umgekehrt.

Hier ein Link zu einem Musterbefund, der das auch nochmal komplett zeigt.

http://www.biovis-diagnostik.eu/resource...ersuchungen.pdf

So habe ich mir das allerdings aus den Befunden und Posts zusammengereimt, ohne hier wirkliche Expertise zu besitzen.


 
Ludwig
Beiträge: 11
Registriert am: 08.11.2016


RE: Organische Säuren im Urin - Hilfe bei Ergebnisbewertung

#5 von Ludwig , 18.07.2017 22:14

Zitat von marcolino im Beitrag #3
auf Seite 2, unten links, deiner Laborwerte steht

"Parameter Blutbild adaptiert"

Kennst du zufällig die Bedeutung?



In diesem Dokument ist es sehr ausführlich erklärt:
Mikronährstoffdiagnostik - Hämatokrit-korrelierte Vollblutanalytik

http://d.mp3vhs.de/vonabisw/VitaminD3/Wi/Wi34.pdf


 
Ludwig
Beiträge: 11
Registriert am: 08.11.2016


   

Blutbild - Extremwerte - Meinung/Empfehlung
Meine erste Blutanalyse/Blutbild

disconnected Foren-Chat Mitglieder Online 7
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen