Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#1 von doc_c , 06.06.2017 13:53

Ich hatte schon in einem anderen Posting geschrieben, ich bin Arzt und habe Chris' Buch gelesen, weil ich mehr zum Thema Ernährung lernen will.

Der behauptete Zusammenhang von Insulinresistenz bei gleichzeitigem Konsum von Kohlenhydraten und Fetten ist mir neu. Könnte was dran sein und würde viele Ernährungsparadoxe erklären (dünne Menschen mit Typ II Diabetes, negative Auswirkungen auch von transfett-freiem Fastfood, ...).

Ich bin mir aber sicher, dass es in der Praxis höchst schwierig wird, dieses Konzept einer breiten Patientenschaft zu vermitteln.

Vermutlich gibt es da doch eine Dosis-Wirkungsbeziehung, denn schließlich ist ja beispielsweise das Blut eines gejagten Tieres aus der Sicht von Chris durchaus glucosehaltig und wird mitverzehrt.

Ich habe keine guten Studien zu diesem Thema finden können.

Wer kennt Daten dazu, ab welcher Menge KH zu Fett bzw. Fett zu KH (Käse mit Brot, ...) es problematisch wird?

Dann erinnere ich mich noch an eine Sache aus meinem eigenen Biochemie wissen:
Für den Citratzyklus, in dem Fettsäuren abgebaut werden, ist doch Oxalacetat elementar wichtig, denn dies reguliert dessen Geschwindigkeit. Oxalacetat stammt aber aus dem Kohlenhydrathauthalt. Könnte es nicht sein, dass wenn zu wenig KH gegessen werden, zu wenig Oxalacetat vorliegt, mehr Acetyl-CoA anfällt und dadurch die Cholesterinsynthese angeheizt wird? Sprich: SOLLTE man nicht zu Fett gerade ein wenig KHs dazu essen?


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#2 von hans , 06.06.2017 15:24

Zitat von doc_c im Beitrag #1
Wer kennt Daten dazu, ab welcher Menge KH zu Fett bzw. Fett zu KH (Käse mit Brot, ...) es problematisch wird?


Die Fett/KH Ratio ist ein Schwerpunkt bei den Ernährungsempfehlungen von Dr. Barnard, Ornish, Esselstyn, McDougal und Jacobs - die alle eine KH-Reiche und Fettarme Ernährung befürworten - und damit hervorragende Ergebnisse im Bereich Diabetes und Herzkrankheiten (+ mehr) erzielt haben. Allen DR.'s geht es dabei um eine langfristig funktionierende Ernährung - nicht um eine 'Diät'.

Für einen maximalen Effekt - also Verbesserung in Bezug auf Herzkrankheiten, Übergewicht und Diabetes werden ca. 10% Fett (Kalorisch) und 80% KH angegeben. Bis 20% Fett ist (meiner Lesart nach) o.k. - wenn kein akutes Krankheitsbild vorliegt. Das entspricht dann auch der Fett/KH-Ratio in DE bis vor ca. 150 Jahren (13% Fett), den Okinawa-Bewohnern und der Ernährung anderer langlebiger Kulturen.

10% Fett heisst: Faktisch keinerlei raffinierte Fette / Öle / Milchprodukte, sehr wenig Fleisch/Ei, sehr wenig Samen und Saaten - jedoch viel Gemüse, (Süß-)Kartoffeln und/oder Getreide. Nur als Beispiel: Ich bin aktuell bei 15% Fett ca. 70-75% KH und habe damit meinen Gesamt-Cholesterinspiegel in kurzer Zeit von >200 auf ca. 130 senken können - da ist er nun konstant.



 
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#3 von jfi , 06.06.2017 16:59

Zitat von hans im Beitrag #2
Die Fett/KH Ratio ist ein Schwerpunkt bei den Ernährungsempfehlungen von Dr. Barnard, Ornish, Esselstyn, McDougal und Jacobs - die alle eine KH-Reiche und Fettarme Ernährung befürworten - und damit hervorragende Ergebnisse im Bereich Diabetes und Herzkrankheiten (+ mehr) erzielt haben. Allen DR.'s geht es dabei um eine langfristig funktionierende Ernährung - nicht um eine 'Diät'.


Hans, ich muss Bernd beipflichten: Stelle deine Weltansicht bitte nicht immer als die einzig Wahre dar und antworte bitte nicht immer so undifferenziert auf sämtliche Fragen die dir vor die Flinte kommen!

Da gibt es nämlich auch ein unfassbar gut recherchiertes Buch von Nina Teicholz (The Big Fat Surprise) das im Prinzip zeigt, dass die es Bullshit ist eine fettarme Ernährung zu propagieren (zumindest für 90% der westlichen Bevölkerung).

Und die China-Study die du schon so oft aufgeführt hast ist auch mittlerweile mehrfach auseinander genommen worden weil die methodisch und interpretatorisch (anders gesagt: wissenschaftlich) glatt falsch ist. (z.B. in diesen Artikeln von Denise Minger: Klick)

Und ganz ehrlich, diese HCFRICKE-Quelle von dir betreibt auch ganz ordentliches Cherry-Picking und ist bei weitemn nicht auf dem neuesten Stand der gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse!

Vor High-Fat sollte sich im Endeffekt wirklich niemand fürchten und auch ein Gesamtcholesterin >200 ist bei einem HDL >60 und niedrigen CRP und normalem Lp(a) vollkommen unproblematisch (für 90% der Menschen)!!!
Genauso bei High-Carb, solange man sich nicht total überfrisst und eine gute Insulin-Sensitivität hat.

Es kommt eben immer auf den Kontext (!!!), wie individuelle Verträglichkeit, Körperkomposition, Bewegungsverhalten, Training, Gesundheit und auch auf psychologische Details an, pauschal sagen "max. 20% Fett" ist einfach nur grob fahrlässig und falsch!!!

Und wer Getreide als eine Hauptnahrungsquelle empfiehlt und damit nicht differenziert, dass alle Getreide außer Haferflocken, Buchweizen und Quinoa, eher schädlich als nützlich sind, der hat seine Hausaufgaben noch nicht gemacht und sollte sich noch DEUTLICH tiefert in die Materie einlesen!!!

Zu dem Thema Makronährstoffverteilung sind die Werke von Chris (v.a. "Stoffwechsel beschleunigen") und wenn man gescheit trainiert (also forderndes Krafttraining betreibt) die Infos von Chris Eikelmeier, Ben Greenfield, Wolfgang Unsöld und Charles Poliquin höchstwahrscheinlich das beste das man sich so durchlesen kann.

LG Jens


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#4 von hans , 06.06.2017 18:21

Zitat von jfi im Beitrag #3
Hans, ich muss Bernd beipflichten: Stelle deine Weltansicht bitte nicht immer als die einzig Wahre dar und antworte bitte nicht immer so undifferenziert auf sämtliche Fragen die dir vor die Flinte kommen!


Hallo jfi, gerne werde ich mich zurückhalten, wenn das gewünscht ist. Ich kann jedoch nur das Schreiben was ich ausprobiert habe und zu den Schlüssen zu den ich (aktuell) gekommen bin bzw. etwas was ich referenzieren kann. Deswegen schreibe ich auch so gut wie ich geht von 'meiner Erfahrung...', 'was ich mache'.. etc. pp. Damit versuche ich meine (aktuelle) Sicht auf die Dinge - von anderen Sichten - abzugrenzen und gerade klarzustellen, das das nicht die 'einzige Warheit' ist - denn die wird es im Fall der Ernährung & Co. (meiner Ansicht nach) nicht geben.

Ich freue mich dann über alle sachdienlichen Hinweise, die mit weiteres Futter liefern um meine jeweils aktuellen Schlüsse kritisch zu hinterfragen - weil es mir gerade um die langfristigen Folgen geht. Nur wenn ich hier nichts schreibe - bekomme ich keine Rückmeldung und auch keine Hinweise auf das wo ich meine blinden Flecke habe - und das bringt mich dann auch in dem Erkenntnisprozess nicht weiter.

So werde ich mich erst einmal Minger widmen (danke für den Link) - kannte Sie schon, habe jedoch Ihre (sehr umfangreichen und detaillierten) Kritiken nie komplett durchgelesen. Mal schauen was ich da an Erkenntnis rausziehen kann.

Schönen Abend.


 
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#5 von jfi , 07.06.2017 10:00

Zitat von hans im Beitrag #4
Hallo jfi, gerne werde ich mich zurückhalten, wenn das gewünscht ist. Ich kann jedoch nur das Schreiben was ich ausprobiert habe und zu den Schlüssen zu den ich (aktuell) gekommen bin bzw. etwas was ich referenzieren kann. Deswegen schreibe ich auch so gut wie ich geht von 'meiner Erfahrung...', 'was ich mache'.. etc. pp. Damit versuche ich meine (aktuelle) Sicht auf die Dinge - von anderen Sichten - abzugrenzen und gerade klarzustellen, das das nicht die 'einzige Warheit' ist - denn die wird es im Fall der Ernährung & Co. (meiner Ansicht nach) nicht geben.Ich freue mich dann über alle sachdienlichen Hinweise, die mit weiteres Futter liefern um meine jeweils aktuellen Schlüsse kritisch zu hinterfragen - weil es mir gerade um die langfristigen Folgen geht. Nur wenn ich hier nichts schreibe - bekomme ich keine Rückmeldung und auch keine Hinweise auf das wo ich meine blinden Flecke habe - und das bringt mich dann auch in dem Erkenntnisprozess nicht weiter.So werde ich mich erst einmal Minger widmen (danke für den Link) - kannte Sie schon, habe jedoch Ihre (sehr umfangreichen und detaillierten) Kritiken nie komplett durchgelesen. Mal schauen was ich da an Erkenntnis rausziehen kann. Schönen Abend.


Hallo Hans,

darum geht es mir doch gar nicht, jeder soll sich hier äußern und zum Erfahrungsaustausch beitragen wie er oder sie kann und möchte, damit gute Konversationen entstehen aus denen beide Seiten was rausziehen können.

Aus meiner Sicht schreibst du nur eben nicht differenziert und hast einen sehr engen Blickwinkel auf alles (nämlich nur deine Erfahrungen).
Ich persönlich erwarte einfach eine andere Herangehensweise an sowas, wenn man hier im Forum angemeldet ist und wahrscheinlich auch den edubily-Blog liest. Da wird das sehr schön vorgemacht, wie man eben unvoreingenommen und mit einem offenen Visier an Themen herangeht und auf Fragen antwortet.

LG Jens

PS: Sehr schön dass du dich kritisch mit Themen auseinandersetzt, das ist immer wichtig und sollte jeder bei allem machen!


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#6 von Stockinger , 07.06.2017 12:39

Ganz interessant in diesem Zusammenhang:
http://edubily.de/2015/08/abnehmen-mit-kohlenhydraten/

Wenn man sich nicht durch die "falschen" Kalorien den Stoffwechsel lahm legt ("A calorie is not a calorie"; Dr. Robert Lustig) bleibt das Verhältnis von Kalorienzufuhr zu Kalorienverbrauch entscheidend, ob man zunimmt, abnimmt oder sein Gewicht hält.

Ich habe außerdem vage im Hinterkopf, dass es hier mal einen Beitrag gab, der das Verhältnis KH zu Fett schön grafisch aufbereitet dargestellt hat (finde ihn auf die Schnelle leider nicht).
Tenor: HC/LF und LC/HF "funktionieren". Nur bei typischen "Nutella-Mischungsverhältnissen" (30:60 ... 60:30) wird der Stoffwechsel auf eine harte Probe gestellt.
Die jeweiligen Enden des Spektrums sind "safe".

LG,
Thorsten


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Dem Arzt, der's schmerzlos macht und billig.
Laßt nie den alten Grundsatz rosten:
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(Eugen Roth)


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#7 von hans , 10.06.2017 15:44

Zitat von jfi im Beitrag #5
PS: Sehr schön dass du dich kritisch mit Themen auseinandersetzt, das ist immer wichtig und sollte jeder bei allem machen!


Hallo jfi,

so, habe das mit Minger jetzt etwas tiefer verfolgt. Die Sachen zur indischen Mausstudie auf die Campbell seine Forschungsidee begründet hat habe ich nicht so im Detail verfolgt - sieht jedoch nicht so schön aus. Das war mir jedoch schon immer suspekt von Casein direkt auf Proteine als Problem zu schließen - und nicht auf andere Inhaltsstoffe der Milch. Wichtig scheint jedoch, das die Kritik von Minger an der Auswertung der China Study auch nicht sauber ist. Sie auch : http://nutritionstudies.org/minger-critique/

Im Kurzen wie ich es verstehe: Korrelation (seitens Minger) ist nicht Assoziation.. und die Daten der China Study dienen ja u.a. zum überprüfen von Hypothesen auf Basis vorheriger Forschung. Nur aus den Rohdaten und Korrelationen irgendetwas zu folgern klappt so einfach nicht. Das wird auch im Buch "China Study" klar, da ist die "China Study" nur ein Kapitel und wird durch ganz viel mehr (an Studien) ergänzt um dann zu schauen ob da Assoziationen sind. Und Campbell hat eben die Daten genutzt um seine Thesen und andere Forschungen zu überprüfen - und nicht versucht alles und jede mögliche Assoziation aufzustellen - das hätte auch das Sachbuch gesprengt.

Wobei es in dem Buch hinausläuft sind immer wieder die Milchprodukte (was auch meinen persönlichen Erfahrungen entspricht). Da es kaum Menschen gibt, die nur Fleisch (bzw. Fisch) essen - aber keine Milchprodukte - ist es sehr schwer das (statistisch) auseinander zubekommen. Deswegen wird im Buch oft von Tierprodukte gesprochen. Gerade bei den Autoimunkrankheiten sind es dann immer wieder Milchprodukte, welche nach Campbell die Probleme machen - und gerade nicht in erster Linie Fleisch. Natürlich beschreibt er auch Probleme die bei Fleisch auftauchen - in wie weit das durch andere Faktoren / LIfestyle begleitet wird, welche Mengen ggf. relevant sind das ist natürlich nie komplett auf Basis Rohdaten auszusortieren. Deswegen schreibt er ja auch von Assoziationen und ergänzt alles durch andere Forschungen, etc. pp. - also so wie ich es (in der englischen Orginalausgabe) lese und verstehe.

Hier noch ein Video von Minger: https://www.youtube.com/watch?time_continue=7&v=KFfK27B_qZY - dort äußert sie sich auch über die Fett/KH Ratio und die Plant-Based Doctors kommen bei Ihr gut weg. So wie ich es verstehe sagt Sie: Wenig Fett (<=15%) und viel KH bzw. genau umgekehrt. Wobei ich bei sehr viel Fett eben die üblichen Vorbehalte anführen würde... egal.. muss jeder für sich selber lesen & entscheiden. Eine Zusammenfassung des Videos aus eher meiner Perspektive hier (überlest das unwesentliche ;-)

Individuell mag alles dazwischen geben - insb. wenn Gendefekte da sind... also Amylase / Stärkeverwertung, Provitamin nach Retinol-Wandlung, Probleme Cholin zu synthetisieren, Probleme mit der EPA/DHA Eigensynthese, Laktose-, Gluten-, etc. pp. Intolerant - aber das ist eben. Insg. empfinde ich das Buch 'China Study' als einen Gewinn an Erkenntnis. Habe auch zwei Bücher von Cordain und da auch einiges rausgezogen. Jedoch immer unter Beachtung des 'Bias' des Autors...

Insofern könnte das Lesen des Buchs China-Study für den Eröffner dieses Threads durchaus gewinnbringend sein - um einen der Aspekte/Standpunkt zu vertiefen.

LG
Hans


 
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#8 von Chris (edubily) , 10.06.2017 16:11

Hey doc,

ich schalte mich einfach mal kurz ein, bevor es zu stark abdriftet hier.

Also: zur Pathologie der IR brauche ich dir vermutlich nichts zu erzählen. Im Allgemeinen gilt: Konzentration v. Fettsäuren im Blutstrom steigt grob linear zur (Viszeral-)Fettmasse. Via Randle-Cycle wird die KH-Oxidation und -Verwertung unterdrückt, bei chronischer zellulärer Lipid-Überfrachtung gibt's zusätzlich Derivate, z. B. Ceramide, DAG und Co., die das Insulin-Signal direkt abschalten. Tritt dies in der Leber auf, wird der Blutzuckerspiegel kaum noch sinken.

Nimmt man weitere Faktoren in die Gleichung mit auf, z. B. weit verbreitete Chrom- oder allgemein Spurenelement-Mängel, die alle das Insulin-Signaling potenzieren oder z. B. durch Ernährungs- oder Lebensstil bedingte Mito-Dysfunktionen, wird die Sache komplexer, aber nicht weniger greifbar.

Unterm Strich heißt das: T2D sollte weitestgehend umkehrbar sein, vor allem durch (radikalen) Körperfett-Verlust. (s. dazu z. B. auch "Reis-Diät" vom Kempner, ganz interessant)

Das ist der eine Punkt.

Der andere Punkt ist die physiologische IR. Die tritt auf, wenn der Organismus "glaubt", es herrsche Nahrungsknappheit. Das passiert vor allem bei hohen Werten an freien Fettsäuren (ähnlich wie oben), die via Randle die KH-Verwertung blockieren. Da freie Fettsäuren proportional zum Nahrungsfettgehalt (oder: proportional zur Nahrungsknappheit, also beim Fasten) ansteigen, wird die Sache klarer: Wer morgens z. B. einen in Mode gekommenen Butter-Kaffee trinkt, der braucht nicht zu erwarten, beim Mittagessen super insulinsensitiv zu sein. Man kann den Effekt blockieren, indem man eine starke Insulin-Ausschüttung provoziert, um die überschüssigen Fettsäuren wieder ins Fettgewebe zu drücken. Aber das ist halt per definitionem keine "gute Insulin-Sensitivität".

Zudem kommen andere Effekte ins Spiel, grob gesagt: Je öfter Kohlenhydrate gegessen werden, umso besser wird der KH-Stoffwechsel. Einmal auf zellulärer Ebene (entsprechende Enzym-Regulationen), aber vor allem auf hormoneller Ebene. Der second meal effect beschreibt das ganz gut. Wichtig ist hierbei die Insulin-Ausschüttung bei der vorigen Mahlzeit. Stimuliert man dieses Inkretin-System (geht auch mit Eiweiß), dann sorgt das dafür, dass bei der Mahlzeit danach die Glukose-Verwertung und somit die Insulin-Sensitivität steigt.

Zu guter Letzt gab es erst vor einiger Zeit eine Arbeit (die ich auf die Schnelle nicht gefunden habe), an Ratten, die zeigt: Proportional zur Fettzufuhr steigt der Grad der Insulinresistenz, weil, wie eben geschildert, reziprok dazu die KH-Verwertung schlechter wird, weshalb schon z. B. bei 50 % Nahrungsfettanteil eine deutlich eingeschränkte Insulinsensitivität zu erwarten ist. Hier kommt es zusätzlich darauf an, welche Fette gegessen werden. Langkettige, gesättigte Fette und Trans-Fette sind schädlich, einfach ungesättigte Fettsäuren und normale Mengen mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind weitestgehend protektiv.

Wie groß der Impact letztlich ist, kann man kaum sagen. Unser Gedanke zielt eher auf eine Art Optimierung ab. Wenn wir alle die o. g. Faktoren berücksichtigen, ergibt es durchaus Sinn, den Fett- und KH-Anteil reziprok zu halten. Die Real-Life-Umsetzung ist nicht leicht, vor allem weil wir darauf "gepolt" sind, möglichst fett- und kh-reich, gleichzeitig, zu essen. Bei metabolisch Gesunden dürfte das nicht so sehr ins Gewicht fallen. Denn letztlich muss in die Gleichung auch die Energiebilanz mit einfließen. Die nämlich hat Auswirkung auf den Basal-Grad der Insulin-Sensitivität. In einfachen Worten: Bei (temporär) negativer Energiebilanz fährt die Zelle die Aufnahmesysteme hoch und es ist fast egal, was man isst. Deshalb sind auch Sportler weitestgehend geschützt vor solchen Entgleisungen.

Ich hoffe, ich konnte helfen.


Chris Michalk


 
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#9 von H_D , 11.06.2017 22:10

Chris welche Mengen wären denn "in Ordnung"? Wenn ich den Second-Meal-Effect und Tims Aussagen dazu richtig interpretiere sollte man ja eher Tageweise trennen


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#10 von Mo , 15.07.2017 10:09

hallo jens,

hier herrscht Meinungsfreiheit - ob es dir gefällt oder nicht.

und solange die admins nicht sagen, ist alles ok.


nimm mal einen gang raus und höre auf, anderen, deine Sichtweise aufdrücken zu wollen.


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#11 von jfi , 17.07.2017 10:36

Hallo Mo,

sorry, wenn Du dich durch meine Beiträge auf die Füße getreten fühlst, aber so wie Du ihn interpretierst war er nicht gemeint.
Im Gegenteil, ich halte mich hier immer recht emotionslos an die Fakten und argumentiere diese. Da Hans sich nicht angegriffen gefühlt hat und wir hier eine sachliche Diskussion geführt haben, sollte Dich das eigentlich auch nicht weiter stören.

Das bezüglich den Admins gilt auch für Dich...es gibt keinen Grund mich hier zu kritisieren wenn es derjenige, mit dem ich diskutiert habe und auch Chris, der ja ein Admin ist, nicht getan hat.

Ich will auch niemandem meine Sichtweise aufdrücken, sondern nur dass man auch alle wissenschaftlichen und evidenzbasierten Fakten mit einbezieht.

Einen schönen Tag und eine schöne Woche wünsche ich Dir noch!

LG Jens


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#12 von Mo , 18.07.2017 09:17

dein Kommentar war für mich nicht ok.

du magst dich vielleicht als emotionslos sehen - ich nicht.

bloß weil niemand antwortet, heisst es nicht, daß es ok ist.
chris liest nicht alle Beiträge.

ich höre mir gerne alle Meinungen an - egal wie verrückt sie sich erstmal anhören.
nur dadurch kann ich lernen, indem ich nicht sofort alles abwehre.


dir auch einen schönen tag.


Mo  
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#13 von jfi , 18.07.2017 11:05

Wie gesagt, solange Hans sich nicht beschwert (der in unserer Diskussion die letzte Antwort geschrieben hat) ist für mich alles ok und es war einfach nur eine sachliche Diskussion, die du jetzt als Dritter wieso auch immer kritisieren musst?...

Ich höre mir auch sehr gern alle Meinungen an und versuche daraus zu lernen, aber wenn ich weiß dass - wissenschaftlich-faktisch betrachtet - etwas nicht so stimmt wie es die Meinung des anderen ist, dann steht es mir sehr wohl zu darauf hinzuweisen dass die Meinung falsch ist oder auf falschen Tatsachen beruht.
Ob derjenige dann an seiner Ansicht/Meinung etwas ändert oder nicht ist mir relativ egal, aber wenn ich mir wirklich sicher bin dass eine Meinung nicht so stimmt wie sie geäußert wird, werde ich jeden darauf hinweisen. Und da wir hier freie Meinungsäußerung haben ist dies mein gutes Recht.

LG Jens


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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#14 von alternativ , 22.07.2017 22:01

Hallo

ich lese gerade ein aktuelles Buch von Prof.Dr.Nicolai Worm (Ernährungsexperte)
hier werden einige Zusammenhänge zur Insulinresistenz grob geschildert , es ist zwar nicht direkt angegeben, dass die Kombination KH + Fett
zur Insulinresistenz führt, aber es läßt sich indirekt aus den geschilderten Vorgängen ableiten (er schreibt von überschüssigen KH und Fetten)
wobei das Hauptproblem vor allem die KH mit hohem Glykämischer Last sind (KH auch nicht essentiell)

Kurzbeschreibung
die Insulinresistenz ist eine Schutzfunktion um die Muskelzellen vor energetischen Überfluss zu schützen, die Mitochondrien würden sonst geschädigt
(bei Stress in den MT Bildung von freien Radikalen und unphysiologische Fettverbindungen) die überschüssige Energie wird in Fettgewebe und Leber geschleust
und dort wird die Glucose in Fett umgewandelt > weitere Folge ist eine Kohlehydratspeicherstörung und somit kann Zucker nur mehr beschränkt von der Leber und den Muskeln aufgenommen werden > weitere Folge ist eine Überladung der Fettzellen mit Entzündungen (wegen mangelnder Blutversorgung durch die zu schnelle Bildung der Fettzellen) in Folge werden die Fettzellen auch insulinresistent (kranke dysfunktionale Fettzellen) die Leber wird auch verfettet und insulinresistent

eine pauschale Antwort gibt es lt. Prof. Worm nicht (wie viele KH) nach seinen aktuellster Forschungen hängt das von vielen Faktoren ab ob man auch öfters KH mit sehr hohem GL verwenden kann ohne dass es gesundheitliche Nachteile gibt

z.B. bei bereits vorhandenen Stoffwechselstörungen eher sehr wenig, bei wenig Bewegung (Büroalltag) auch eher moderat, bei zunehmenden Aktivitäten (Schwerarbeit , Sport) kann es auch sehr viel mehr KH sein

er hält sehr viel von der traditionellen mediterranen Ernährung (auch mit hochwertigen Milchprodukten wie Joghurt, Käse usw.) und auch mal ein Glas Wein darf dabei sein (besser wäre Rotwein) , auf keinen Fall darf an Fetten und Eiweiss eingespart werden (essentiell) und er nennt auch einige Ergänzungen als sinnvoll (z.B. Vit. D und Omega 3)

ich hoffe es hilft weiter

LG Manfred



 
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RE: Kohlenhydrate + Fette - wieviel ist zu viel?

#15 von alternativ , 23.07.2017 10:53

zum Thema Ernährungsparadoxe schreibt Prof.Dr.Worm auch einiges

Paradox daran ist nur dass die hoch gesättigten Fette und die tierischen Fette als schädlich erklärt wurden und das dies auch nicht geändert wird
obwohl die aktuelle Wissenschaft und die sogenannten Paradoxons das nicht bestätigt, tierische Fette sind auch jene wie unserKörper aufgebaut ist um zu Leben, warum sollten sie uns dann umbringen ?

Paradox ist auch, dass die Bevölkerung der USA immer stärker verfettet, obwohl sie die Richtlinien der DGE fast punktgenau erreicht haben
(früher mit weniger KH und mehr Fett noch 4 von 10, jetzt mit mehr KH und weniger Fett 8 von 10)

Link

Prof. Worm hält die derzeitigen Empfehlungen der DGE für die Masse der Bevölkerung als ungeeignet , der Lebenstil hat sich geändert (weniger Bewegung mehr Stress ungünstigere Lebensmittel mit wenig Balaststoffen Mineralien und Vitaminen usw.)

besonders paradox hält Prof. Worm die krasse Diskrepanz zwischen aktueller Forschung und der derzeit herschenden Ernährungslehre !!!!

mfG Manfred

Link zur Dr. Feil Forschung (Leistungssport mit wenig KH) , ich ernähre mich selbst schon länger in diese Richtung (weniger KH mehr Fett) und habe im Gegensatz zu den DGE Angaben dadurch deutlich abgenommen und eine sehr gute Ausdauer erhalten, und das wäre dann auch paradox aus Sicht der derzeitigen Empfehlungen



 
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