RE: Viel Protein gefährlich?

#16 von Stockinger , 23.05.2017 12:05

Zitat
Ansonsten:

Latest Study Shows that a 3.3 g/kg High-Protein Diet is Safe -- And Yes, This Means it Doesn't Hurt Your Kidney or Liver

Fivefold More Than the FDA Allows: Extreme High Protein Diet (4.4g/kg | 307g/day) Benign & Non-Obesogenic. Plus: Macronutrient Prescription & Changes in Food Quality

High Protein Bulking Maximizes Muscle (+1%), Minimizes Fat Gain (-3%): Study Proves That 200g+ Protein Per Day Make a Cleaner Bulk Than 133g/day on ~480kcal Surplus

3.8 vs. 2.3 g/kg Protein + Exercise to Improve Body Comp. | Digestive Enzymes to Pimp Vegan Proteins | High Protein vs. MUFA Meals for GLP1 | ISSN Research Review '15 #3



Und in wie vielen dieser Studien sind die Teilnehmer ad hoc von DGE-Niveau (0,8g/kg KG) auf > 200-300g/d hochgestuft worden?
Selbst bei 4g/(kgKG*d) würde ein 75kg Mensch gerade mal die 300g/d erreichen. Und wer (Kraft)Sport betreibt, wird sowieso schon auf eine erhöhte Eiweißzufuhr achten und daher eine höhere Proteinverarbeitungsleistung aufweisen.


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RE: Viel Protein gefährlich?

#17 von hans , 23.05.2017 12:09

Zitat von Markus im Beitrag #12
Steinzeiternährung laut Cordain


Kenne ich grob - aus Cordains Büchern (u.a. Paleo-Diet for Athletes) und aus der Kritik an seinem Steinzeitbild und aus dem was er daraus ableitet (u.a. Low-Carb Fraud von Campbell). Das ganze berücksichtigt jedoch einige Dinge nicht
- Die letzten 10-20 Tausend Jahre und die (epi-)genetische Anpassung die inzwischen passiert ist
- Das es nicht "den" Steinzeitmenschan gab - sondern verschiedenste Klimazonen, regionale Angebote an Nahrung, verschiedene Perioden, etc. pp.
- Die Frage ob wir (Nordeuropäer) heute mit solch einer (vermuteten) Ernährung auch 90-100J ohne große Wewehchen bzw. die üblichen "Zivilisationskrankheiten" werden würden?

Bis 60 oder 70 ist ja auch heute mit viel Fleisch & Co. - Gemüse, Bewegung, etc. pp vorausgesetzt - alles o.k. Jedoch ob es auch bei der Menge an Protein o.k. ist? Bei 22% Fettanteil sowie 45% (vollwertigen) Carbs, ggf. 80g Ballaststoffen gibts sicher keine unmittelbaren Probleme. Auch wer (gutes) Wild oder (guten) Fisch isst - der hebt sich damit ja schon mal massiv von Schwein, Rind und Huhn ab - bei denen ja dann (oft) noch das beste weg geschmissen wird. Jedoch hat sich heute bei der Verfügbarkeit & Qualität der erstgenannten auch einiges geändert.... die Rahmenbedingungen sind immer schlechter vergleich- oder herstellbar.

Zitat von Markus im Beitrag #12
Bei angenommenen 2600 kcal und 70 kg (Annahmen meinerseits) sind das 221 Gramm Protein bzw. gut 3 g/kg.


Das ist sehr viel.... 120g schaffe ich mit Süssluopinenmehl im Müsli wenn ich will. 221g - da müsste ich ja fast nur Hoch-Proteinzeug mampfen - oder 6 Kilo Brokkoli

Zitat von Markus im Beitrag #12
Die durchschnittkiche Lebenserwartung des Paleolithikums wurde im Übrigen erst wieder gegen Ende des 19. Jhrd. in einigen Industrieländern erreicht...


Da spielen so viele Faktoren & Annahmen rein.... ich denke Vergleiche sind da recht müßig... war zumindest irgendwann mal mein Fazit in Bezug auf die Fragen die ich mir für mich aktuell stelle. Schön jedoch das Dein Wikipedialink teilweise auch auf die Restlebenserwartung nach erreichen eines gewissen Alters eingeht.

LG
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RE: Viel Protein gefährlich?

#18 von Markus , 23.05.2017 12:10

Zitat
Ausdauer...



du schreibst du bist fast 50. Mit dem Alter verschwinden aber deine glycolytischen Typ2-Fasern, es bleiben die Typ1-Fasern, die Ausdauerfasern. Wieso willst du dich denn gerade dann von den Typ2-Fasern verabschieden wo du sie am dringendsten benötigen wirst? Typ1-1-Fasern wirst du wenn du diese schon länger trainierst nicht mehr gro0ßartig vermehren können aber die Typ-2 dafür!

"When comorbidities were adjusted for, FFMI in quartile 4 (>19.5 kg/m(2)) still predicted a lower risk of mortality (HR: 0.72; 95% CI: 0.54, 0.96)."
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25833973


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RE: Viel Protein gefährlich?

#19 von hans , 23.05.2017 12:56

Zitat von Markus im Beitrag #11

Latest Study Shows that a 3.3 g/kg High-Protein Diet is Safe
Fivefold More Than the FDA Allows: Extreme High Protein Diet (4.4g/kg | 307g/day)
Study Proves That 200g+ Protein Per Day Make a Cleaner Bulk Than 133g/day on ~480kcal Surplus
3.8 vs. 2.3 g/kg Protein + Exercise to Improve Body Comp.


Hi,

habe mir die Artikel (jedoch nicht die angegebenen Studien) mal grob durchgelesen. Dabei ist mir aufgefallen, das keine davon länger lief - also über mindestens 1 Jahr (und selbst das würde ja noch nicht die Auswirkungen über 1 oder 2 Dekaden berücksichtigen). Zudem haben wohl alle mit Supplementen gearbeitet um die Proteinaufnahme hinzubekommen... noch eine anderer Aspekt und eine (Langzeit-) Baustelle.

So geben die Studien/Artikel zumindest einen guten Hinweis in Bezug auf die ursprüngliche Frage (Danke dafür!) - beantworten jedoch meine Fragen nach den langfristigen Auswirkungen nicht (so richtig). Zudem wird ja hier auch auf NEM zurückgegriffen, welche (erst einmal) viele von den schädlichen Auswirkungen von (tierischem) Hoch-Protein-Lebensmitteln umschifft bzw. den hohen Proteinanteil erst möglich erscheinen lässt. Als Plupunkt kann so natürlich das Aminosäureprofil (leichter) optimiert werden, so das z.B. Methionin & Co. (sowie alles was damit verbunden ist) nicht überrepräsentiert ist - was ja eine der Hauptkritiken ist, auf die Dr. Jacob aufbaut.

Weiterhin offen ist für mich wie der Proteinanteil mit der körperlichen Aktivität korrelieren muss bzw. sollte - bzw. ob es für einen Bürojob gefährlich sein kann 2-3g/Kg aufzunehmen - wenn am Tag nur ca. 1h Bewegung da ist (z.B. Moderat Radfahren, Schwimmen, Gehen). Grundsätzlich davon ausgehen tue ich jedenfalls.

LG
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RE: Viel Protein gefährlich?

#20 von jfi , 23.05.2017 13:59

Zitat von hans im Beitrag #19
welche (erst einmal) viele von den schädlichen Auswirkungen von (tierischem) Hoch-Protein-Lebensmitteln umschifft bzw. den hohen Proteinanteil erst möglich erscheinen lässt. Als Plupunkt kann so natürlich das Aminosäureprofil (leichter) optimiert werden, so das z.B. Methionin & Co. (sowie alles was damit verbunden ist) nicht überrepräsentiert ist


Ach come on, welche schädlichen Auswirkungen von tierischem Protein denn? Abgesehen von besserem Muskel- und Kraftaufbau, besserer Wundheilung und besserer Mikronährstoffversorgung? (Bedenke bitte, dass hier in diesem Forum kaum jemand Antiobiotika-verseuchten Mist frisst und wenn dann nur mal ausnahmsweise)

Und wie soll mit Whey und Casein (das wurde in den Studien verwendet und die haben beide viel Methionin und wenig Glycin) ein Methionin-Überschuss kontrolliert werden können?
Das geht vllt indem man Fisch oder Hähnchen mit der Haut, Hackfleisch und Organe isst, oder Glycin/Kollagenhydrolysat zu den Shakes hinzugibt, aber sicherlich nicht mit Whey oder Casein alleine!

Und zu deinem letzten Punkt: nein, das ist bei ausreichender Trinkmenge sicherlich NICHT gefährlich, denn dein Gehirn verbaucht im Büro auch so einiges an Protein, alleine schon für die ganzen Neurotransmitter die für die kognitive Leistung benötigt werden.

LG Jens


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RE: Viel Protein gefährlich?

#21 von donmarten , 23.05.2017 14:06

Würde es so einen großen Unterschied machen ob die Studie 1, 2, 5 oder 10 Jahre ging? Ich denke eher nicht das nach zehn Jahren auf einmal etwas komplett anderes festgestellt wird als nach einem Jahr ¯\_(ツ)_/¯


 
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RE: Viel Protein gefährlich?

#22 von jfi , 23.05.2017 14:10

Zitat von donmarten im Beitrag #21
Würde es so einen großen Unterschied machen ob die Studie 1, 2, 5 oder 10 Jahre ging? Ich denke eher nicht das nach zehn Jahren auf einmal etwas komplett anderes festgestellt wird als nach einem Jahr ¯_(ツ)_/¯


Das sehe ich genau so!

Und wie ich oben geschrieben habe, es kommt auf den Kontext an!

Wenn man psychisch labil ist, es einem mental schlecht geht, man krank oder das Immunsystem platt ist, man eine Verletzung hat, man viel Sport macht oder man Muskeln aufbauen will, dann haut man eben beim Protein ordentlich rein und genießt die Benefits.
Und wenn man mit 80 keinen allzu großen Hunger mehr hat und lieber im Garten sitzt und den Enkeln zuschaut isst man halt etwas weniger Protein.

Mal abgesehen davon dass Protein nach Sauerstoff und Wasser die essentiellste Substanz für uns ist!!!

Ganz ehrlich Leute, daraus muss man doch keine, bzw nicht schonwieder eine Wissenschaft machen!

LG Jens


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RE: Viel Protein gefährlich?

#23 von Stockinger , 23.05.2017 14:16

Hochdosis-Proteinzufuhr mag ja in bestimmten Kontexten sinnvoll sein. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass man mit Dauer-Hochdosis-Proteinversorgung die körpereigenen Recyclingprozesse lahm legen kann (Stichwort: Autophagie). Maximierung von Muskelaufbau ist nicht alles im Leben. Und Proteinschrott muss auch wieder entsorgt werden...

Wenn ich mich nicht irre, gab es auch schon mal einen Blogbeitrag von Chris zu dem Thema.

Also bleibt im Endeffekt, dass Dauer-Hochdosis-Proteinversorgung vielleicht nicht unbedingt gefährlich ist, aber sehr wahrscheinlich zumindest suboptimal.

LG,
Thorsten


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RE: Viel Protein gefährlich?

#24 von jfi , 23.05.2017 14:34

Zitat von Stockinger im Beitrag #23
Also bleibt im Endeffekt, dass Dauer-Hochdosis-Proteinversorgung vielleicht nicht unbedingt gefährlich ist, aber sehr wahrscheinlich zumindest suboptimal.


Stimmt absolut.
Dauer-Hochdosis-Irgendwas ist höcshtwahrscheinlich IMMER suboptimal.
Daher sollte man immer auch mal Fastenzeiten einbauen, Zeiten mit "normal-hoher" Proteinversorgung (1,5 - 2gr/kg) oder auch mal Ladetage wo man wirklich zu 80-90 % (möglichst saubere) Carbs isst.

Alles in Maßen, wie die Oma schon gesagt hat!
Und alles in Zyklen wie Chris wahrscheinlich schon 10.000 mal gesagt hat :)

LG Jens


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RE: Viel Protein gefährlich?

#25 von Steve , 23.05.2017 16:07

Das Thema Protein beschäftigt mich auch seit geraumer Zeit, seit Jasson Ferruggia in einem seiner Newsletter folgendes eBook empfohlen hat:

http://www.truthaboutprotein.com/

oder hier:

http://jasonferruggia.com/how-much-prote...ou-eat-per-day/

Hat das zufällig jemand gelesen?

Gruß
Steve



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RE: Viel Protein gefährlich?

#26 von hans , 23.05.2017 17:04

Zitat von jfi im Beitrag #20
Ach come on, welche schädlichen Auswirkungen von tierischem Protein denn?


U.a. zu viel Methionin - durch den hohen Anteil in tierischen Produkten. Und alles Methionin was nicht genutzt und dann umständlich ausgeschieden werden muss ist eine metabolische Last - so wie ich die Sachlage verstehe. Habe ich ja beschrieben und auch verlinkt... Schwefelwasserstoff, Ammoniak.. Entsorgung braucht viele Mikros, etc. pp. Die Biochemie ist auch da erbarmungslos....

Hab ja nix gegen Tiere & Co (kann Dir ein Bild schicken wo ich zwischen zwei Schweinehälften beim Schlachter stehe - Selbstschlachtung.. ist aber her...) - nur betrachte ich auch die 'Gesamtpackage' und das Maß der Zufuhr.

Zitat von jfi im Beitrag #20
Und zu deinem letzten Punkt: nein, das ist bei ausreichender Trinkmenge sicherlich NICHT gefährlich, denn dein Gehirn verbaucht im Büro auch so einiges an Protein, alleine schon für die ganzen Neurotransmitter die für die kognitive Leistung benötigt werden.


Und hier auch wieder die Frage: 3g Protein/Kg/Tag (oder mehr) mag ja verdaubar und ohne kurzfristige Nachteile sein - ist es aber auch ein Vorteil gegenüber 2g/Kg/Tag? Bei welchem Aminosäureprofil? Bei welchem konkreten (Tranings-)Ziel?

Denn einfach 2g/Kg/Tag Protein ist mir viel zu ungenau.... damit habe ich mich ja auch beschäftigt - weil ja das Aminosäureprofil bei primär pflanzlicher Ernährung komplett anders ist als bei Omnivore mit viel Milch und/oder Fleisch. In dem Fall (primär Pflanzlich) sagen dann alle gleich: Lysin!!! oder achte auch genug Methionin+Cystein... etc. pp. Die Pflanzendoc's machen es genau anderst rum und sagen bei Fleisch: Zu viel Methionin! Pass auf, etc. pp.

Mir gehts einfach nur um einen guten Diskurs. Und wenn am Ende raus kommt das alles o.k. ist - und alles funktioniert - dann bin ich vollkommen zufrieden. Und solange mir keiner Brazier erklärt - also warum der mit bei 75Kg mit 56g auskommt um seinen Status zu halten - mache ich erst mal das von dem ich ausgehe das ich kein (zusätzliches) Risiko eingehe. Also bis 1,5g/Tag max. - weil mehr bekomme ich über mein normales Essen nicht ohne starke Modifikationen sowieso nicht rein - und Fisch esse ich auch nur alle paar Tage, primär wegen EPA/DHA (+ ein bisschen Carnitin, Kreatin & Co.) und weil ich den Omega-3 Supps nicht traue.

LG
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RE: Viel Protein gefährlich?

#27 von Chris (edubily) , 23.05.2017 17:35

Oben schreibst du von Lupinen-Eiweiß, wenn ich mich recht erinnere. Meines Erachtens sind solche Pflanzenproteine (Gluten ist auch so eins) möglicherweise viel problematischer in hohen Mengen. Das wird selten diskutiert.

Für mich auch ein Problem ist, dass Sachverhalte immer "greifbar" gemacht werden wollen und dabei entstehen Bilder im Kopf, die nicht die Realität wiedergeben.

Zitat
U.a. zu viel Methionin - durch den hohen Anteil in tierischen Produkten. Und alles Methionin was nicht genutzt und dann umständlich ausgeschieden werden muss ist eine metabolische Last - so wie ich die Sachlage verstehe. Habe ich ja beschrieben und auch verlinkt... Schwefelwasserstoff, Ammoniak.. Entsorgung braucht viele Mikros, etc. pp. Die Biochemie ist auch da erbarmungslos....



"hoher Anteil", "tierische Produkte", "zu viel Methionin", "das ganze Methionin", "umständlich ausscheiden", "metabolische List", "Schwefelwasserstoff", "Ammoniak", "Entsorgung" ... don't get me wrong, aber das spielt sich in deinem Kopf, du hast ein schön schlechtes Bild von "tierischen Produkten".

Wir könnten uns sicher darüber streiten, ob (zu) hohe Protein-Mengen gut sind. Wer uns liest, weiß, dass wir a) für adäquate Mengen sind, die jeder lebende Mensch "fühlen" kann und b) für Zyklen.

Zu a) Ich esse nicht jeden Tag "34 % Eiweiß, weil Cordain das sagt" - im Gegenteil. Heute habe ich vielleicht 60 g Protein intus, vielleicht gehe ich mit 100 g schlafen. Einfach, weil mein Körper nicht mehr verlangt. Am Wochenende esse ich vielleicht das Dreifache von dem - oder auch nicht.

Zu b) Wir haben oft über die Vorteile von Proteinfasten, Autopaghie etc. gesprochen. Mein Problem mit der Tatsache, dass jeder (Laie) immer alles "greifbar" machen will, ist, dass ein Kontext gedacht wird und 10 andere, die normalerweise, im normalen Leben, zeitgleich ablaufen, einfach vergessen werden. Da wäre z. B. das, was Punkt a) beschreibt. Wenn wir Zahlen von "Neanderthalern" nehmen, dann muss uns klar sein, dass die nicht vorm PC den ganzen Tag sitzen und ihren A*sch nicht bewegen, sondern das hochaktive Menschen waren, die sicher auch mal periodisch gar nichts gegessen haben.

Veganer machen hier immer die großen (argumentativen) Fehler. Sie nehmen einen Teil heraus, die Ernährung, und sagen: Hier, das könnte dir schaden, also iss es nicht. Man muss aber Ernährung als Teil einer Funktion verstehen, die das ganze Leben beschreibt. Das ist wie bei den Diabetikern. Es gibt Leute, denen fällt es schwer zu glauben, dass der Zucker in Diabetes-Kranken krank macht, während er für normale Menschen sogar nützlich ist - wohldosiert eben.

Menschen suchen immer nach der einen perfekten Lösung für ihre Probleme und extrapolieren dann mit dem Wissen, was sie haben. Nur, dass das Wissen oft einfach nicht ausreicht und daraus falsche Schlüsse gezogen werden.

Du hast dir Brazier als Vorbild rausgesucht. Ich wette, es dauert keine fünf Minuten und wir kriegen einen Longevity-Guru, Super-Athlet, Super-gesund, der sich täglich mit Protein mästet. Diese Beispiele können wir nicht nachvollziehen. Vielleicht bereut Brazier in zwei Jahren, dass er immer so wenig Protein gegessen hat. Das weiß doch keiner. Fakt ist aber, dass du ein anderer Mensch bist und nicht Brazier. Du musst die Werte für dich rausfinden und aufhören, zu verstehen, warum Sache XY bei anderen funktioniert.

Die Eiweißspeicherkrankheit ist im Übrigen Blödsinn. Das wurde in den 40er Jahren (!!) postuliert. In der Zwischenzeit gibt es eine Wissenschaft, die um Lichtjahre gereift ist und klar aufzeigen, dass die "Eiweißspeicherkrankheit" nicht im Geringsten für den Patho-Mechanismus von Diabetes verantwortlich ist.

So ist das aber im Internet, zu jeder These, zu jedem Gedanken, findet man seine Bestätigung.

Bevor ich jetzt aber zu negativ besetzt wirke: Grundsätzlich kann es durchaus ein Zuviel an Protein geben, man sollte es auch hier nicht übertreiben und es sicher ratsam, sich nicht immer bewusst damit zu mästen. Mein Gesamteiweiß-Artikel bezieht sich auf bestimmte Situationen, in meinen Augen muss der Wert nicht immer oben anschlagen.


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RE: Viel Protein gefährlich?

#28 von hans , 23.05.2017 21:58

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Oben schreibst du von Lupinen-Eiweiß, wenn ich mich recht erinnere. Meines Erachtens sind solche Pflanzenproteine (Gluten ist auch so eins) möglicherweise viel problematischer in hohen Mengen. Das wird selten diskutiert.


Ja, Lupine hat auch einige (nicht so gute) Aspekte - weswegen ich es in der Regel nicht mehr nutze - der Proteinanteil ist jedoch ziemlich genial.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Wir könnten uns sicher darüber streiten, ob (zu) hohe Protein-Mengen gut sind. Wer uns liest, weiß, dass wir a) für adäquate Mengen sind, die jeder lebende Mensch "fühlen" kann und b) für Zyklen.


Meine initiale Frage hatte Ihre Grundlage bei den 180g aus dem Handbuch - und da war ja diese Menge ohne Kontext angegeben. Über den wollte ich etwas mehr wissen - weil 180g ist für mich erst einmal eine sehr steile Hausnummer.

Ansonsten habe ich aus dem Handbuch und auch von Edubily.de sehr, sehr viel Anregungen und positives mitgenommen - dafür auf jeden Fall meinen Dank! Einzig die Frage der Menge der Proteine bzw. verschiedenen Aminosäuren blieb offen.... also nicht als statische Menge - jedoch Anhaltspunkte, Größenordnungen, Verhältnisse.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Zu b) Wir haben oft über die Vorteile von Proteinfasten, Autopaghie etc. gesprochen. Mein Problem mit der Tatsache, dass jeder (Laie) immer alles "greifbar" machen will, ist, dass ein Kontext gedacht wird und 10 andere, die normalerweise, im normalen Leben, zeitgleich ablaufen, einfach vergessen werden. Da wäre z. B. das, was Punkt a) beschreibt. Wenn wir Zahlen von "Neanderthalern" nehmen, dann muss uns klar sein, dass die nicht vorm PC den ganzen Tag sitzen und ihren A*sch nicht bewegen, sondern das hochaktive Menschen waren, die sicher auch mal periodisch gar nichts gegessen haben.


Nicht unbedingt 'Vergessen' jedoch wäre ein Kommentar bzw. eine Antwort hier wahnsinnig lang - wenn alles das was im Kopf angeht und was mit reinspielt jedes mal noch ausgebreitet wird. Und Vereinfachung - und selbst ein Modell, sei es noch so gut - bedeutet eben 'weg lassen', denn ein Modell hat ja gerade das Ziel (zumindest aus meiner Sicht) etwas hoch-komplexes 'greifbar' zu machen - und reduziert immer die (individuell wahrgenommenen) Aspekte der Wirklichkeit (bzw. der 'ganzen Wahrheit').

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Veganer machen hier immer die großen (argumentativen) Fehler. Sie nehmen einen Teil heraus, die Ernährung, und sagen: Hier, das könnte dir schaden, also iss es nicht. Man muss aber Ernährung als Teil einer Funktion verstehen, die das ganze Leben beschreibt.


Ich sehe die Tendenz (aus meiner heutigen Sicht & Erfahrung) ganz klar. Insofern fand ich ja Mingers Artikel über Gregers 'How Not To Die' auch gut. Ich selber lehne das Wort Vegan ab - weil damit (meiner Erfahrung nach) leider auch sehr, sehr Oft Ideologie verbunden ist - und das ist aus meiner Sicht nie hilfreich. Zudem ist meine Phase in der ich mich rein pflanzlich ernährt habe vorbei - auch wegen den Aspekten die mir das Dein/Euer 'Handbuch' eröffnet hat. Ich sehe alles inzwischen als Phasen des Erfahrungsgewinns an - und der war in den letzten Jahren gigantisch.. auch wenns manchmal über 'Umwege' geht... die es wohl auch fürs Lernen braucht.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Menschen suchen immer nach der einen perfekten Lösung für ihre Probleme und extrapolieren dann mit dem Wissen, was sie haben. Nur, dass das Wissen oft einfach nicht ausreicht und daraus falsche Schlüsse gezogen werden.


Das Wissen reicht meiner Erfahrung nach nie aus um eine 'perfekte Lösung' im SInne des üblichen Verständnisses dieses Begriffs zu finden - weil es immer Wissen gibt von dem wir nicht mal wissen, das wir es nicht wissen. Und wie bei den Modellen vorher angeführt: Jedes Modell vereinfacht, kann also nie die Realität abbilden.

Im Falle der Proteinfrage habe ich jedoch nicht mal Probleme. Auch mit der Gesundheit nicht (zumindest nicht bewusst ;-). Es ist einfach nur eine Frage - und alles was sich anschließt ist ein Prozess in dem ich Lerne und neue Blickwinkel auf das Thema bekomme. Denn ich bin in dieser Frage über so viel Meinungen gestolpert... und habe gerade etwas Zeit um da tiefer zu buddeln.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Du hast dir Brazier als Vorbild rausgesucht. Ich wette, es dauert keine fünf Minuten und wir kriegen einen Longevity-Guru, Super-Athlet, Super-gesund, der sich täglich mit Protein mästet. Diese Beispiele können wir nicht nachvollziehen. Vielleicht bereut Brazier in zwei Jahren, dass er immer so wenig Protein gegessen hat. Das weiß doch keiner. Fakt ist aber, dass du ein anderer Mensch bist und nicht Brazier. Du musst die Werte für dich rausfinden und aufhören, zu verstehen, warum Sache XY bei anderen funktioniert.


Brazier ist nur ein Beispiel (nicht Vorbild) und die Links auf Proteinmäster gabs ja :-) Und ja, ich werde es selber ausprobieren und schauen, fühlen, etc. - was auf dem Wege passiert.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
Die Eiweißspeicherkrankheit ist im Übrigen Blödsinn.


Deswegen habe ich den Begriff auch selber nicht erwähnt. Und ja, ich habe auch bei Dr. Jacobs schon Quellen im Buch gefunden... naja die waren mehr als.... Dennoch hat er sehr viel valide Punkte. Kein Mensch ist perfekt, keine Quelle wird perfekt sein.. und jeder Mensch hat seinen Tunnelblick bzw, Bias.... ist so.... sollte immer beachtet werden.

Zitat von Chris (edubily) im Beitrag #27
So ist das aber im Internet, zu jeder These, zu jedem Gedanken, findet man seine Bestätigung.


Finde ich gut & nutze es invers. Ich lerne gerade aus dem 'Bashing' von Ideen oder den ein-Sterne Amazon Bewertungen oft mehr als aus den guten Bewertungen - denn die geben mit 'Fragen' mit, die ich dann für mich selber recherchiere. Fragen sind für mich meist wertvoller als Antworten... weil letzte oft auf den ersten Blick plausibel klingen, oft jedoch viele Aspekte unterschlagen.

LG & Danke für Deine Antwort
Hans



 
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RE: Viel Protein gefährlich?

#29 von Chris (edubily) , 24.05.2017 17:12

Ja, wie gesagt, ich denke, auch bei Protein gibt es ein Zuviel, man sollte nur nicht den Fehler machen und Lebensmittel pauschal verurteilen. Damit meine ich nicht dich, sondern allgemein. Ich finde es gut und wichtig, offene Fragen anzusprechen und zu klären.

Zum Handbuch: Das Buch ist drei Jahre alt, ich würde heute auch einiges anders schreiben, weil ich mittlerweile weiß, welche Fragen aufkommen könnten und auch weiß, dass vieles missverstanden werden kann.

Nichtsdestotrotz habe ich die Protein-Mengen gewählt, weil sie annehmbar unproblematisch sind und weil viele Menschen, die nach Gesundheitsbüchern suchen, das aus einem bestimmten Grund tun. Leute, die sich bei edubily melden, sind oft welche, die a) sowieso schon top performen und noch besser werden wollen und b) Menschen, die genau das Gegenteil davon sind und sich noch nie mit Blutwerten, Mikronährstoffen usw. auseinandergesetzt haben. Denen geben wir (sichere) Richtlinien vor, an denen sie sich erst mal orientieren können. In beiden Fällen werden 200 g Eiweiß am Tag viel mehr Nutzen bringen als potenziellen Schaden (trade off, wie immer) - wenn jemand ernsthafte Krankheiten, zB Krebs hat, dann gelten sowieso ganz andere Spielregeln und unsere Bücher sind für solche Menschen nicht geschrieben.


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