Atomkraft - ohne Risiko?

#1 von Axel , 27.09.2016 12:26

..und mit deutlich weniger Müll.

Etwas off topic, aber ich möchte es trotzdem hier vorstellen. Vorgestern bin ich über eine Arte-Doku gestolpert - in ihrer Mediathek, wo es bald depubliziert wird, aber es gibt eine Kopie in Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=aMbjBWMzDPE

Einige für mich neue und spannende Aussagen aus dem Film:

Es gibt nicht die eine Bauweise für einen funktionierenden Kernreaktor, oder nur eine handvoll Ansätze. Es gibt mindestens hunderte verschiedene Kombinationen aus spaltbarem Material, Moderator und Kühlmittel. Jede mit eigenen Vor- und Nachteilen.

Die Bauweise der bestehenden Kernkraftwerke wurde duch die Bedürfnisse des Militärs bestimmt. Wie bei sehr vielen Hochtechnologien wurde auch die Atomspaltung zuerst kriegerisch eingesetzt, die zivile Nutzung ist kaum mehr als ein Abfallprodukt mit vergleichsweise niedriger Priorität. Für die zivile Nutzung haben die etablierten Bauweisen gravierende Nachteile - vor allem im Bereich Sicherheit.

Es gibt Ansätze, Kernkraftwerke konstruktiv so zu entwerfen, dass sie aus sich selbst heraus sicher sind und um Größenordnungen weniger strahlenden Müll produzieren. Status Quo und Interessen der Wirtschaft verhindern aber, dass diese Konstruktionen weiter erforscht werden. Versuchsreaktoren liefen aber schon zuverlässig in den 50ern! (Natürlich wieder in einem rein militärischen Kontext.)

Für mich auch ein Lehrstück über die Natur des Menschen und langfristige, globale wirtschaftliche Zusammenhänge.


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#2 von Stockinger , 28.09.2016 18:15

Hi Axwl,

hast da 'ne interessante Doku verlinkt

Was aber meiner Meinung nach zu kurz kommt, ist die Werkstoffproblematik. Die ist bei Flüssigsalzen nicht trivial; vor allem nicht im Langzeitbetrieb. Ich hätte auch Informationen interessant gefunden, wie man so einen Salzreaktor überhaupt anfährt; schließlich ist das Salz ja anfangs wohl fest und lässt sich nicht so gut pumpen...

LG,
Thorsten


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#3 von Axel , 29.09.2016 09:44

Moin, Thorsten!

Es kommt wohl noch ein Teil 2.

Aber,
die Werkstoffproblematik wird angesprochen, später gibt's ein Konzept, Reaktoren in Fabriken zu bauen, vor Ort zu fahren, zu versiegeln und 7 Jahre zu betreiben. Danach müssen sie wohl gewartet werden, vermutlich wegen der korrosiven Eigenschaften des Salzes.

Zum Anfahren muss der Reaktor von außen beheizt werden, das wird, meine ich, erwähnt.

Zum Thema gibt's durchaus noch mehr Quellen..

Auch interessant über die bestehenden AKWs und ihre Probleme ist dieser Podcast: http://alternativlos.org/14/


Aber bevor wir uns in technischen Details verlieren... Lasst Euch mal auf der Zunge zergehen, was diese Doku aussagt über das Wesen von Homo Sapiens.


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#4 von Stockinger , 29.09.2016 09:55

Zitat von Axel im Beitrag #3
Lasst Euch mal auf der Zunge zergehen, was diese Doku aussagt über das Wesen von Homo Sapiens.


Ich würde es mal mit "Gier frisst Hirn" zusammenfassen


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#5 von Axel , 29.09.2016 11:21

Vorher kommt vielleicht noch "Angst frisst Hirn".

Immerhin ist es ein deutliches Muster, dass technologische Entwicklung hauptsächlich militärisch motiviert ist. Sage ich als Techniker. Umso mehr schmerzt es mich, einsehen zu müssen, dass jeder technische Durchbruch erst einmal daraufhin abgeklopft wird, wie man ihn einsetzen kann, um Mitmenschen zu töten oder mindestens zu unterdrücken.

Selbst in einem Zeitalter, in dem unser Leben hier in der "1. Welt" weitestgehend ungefährlich ist (vielleicht abgesehen vom Straßenverkehr), sind wir von Angst getrieben und lassen uns bereitwillig von aufgebauschten Horrormeldungen irre machen.


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#6 von Axel , 18.10.2016 11:08


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RE: Atomkraft - ohne Risiko?

#7 von Stockinger , 19.10.2016 10:20

Interessante These. Und im ersten Ansatz durchaus plausibel.
Mit aller Macht neue Reaktoren durch boxen, wider jegliche ökonomische Vernunft, um Radioaktives Material für militärische Zwecke zu erzeugen.

Allerdings habe ich da doch noch ein Verständnisproblem:
* Die Briten verfügen über eine nukleare Aufbereitungs- und Anreicherungsanlage (Sellafield)
* Die Briten verfügen über militärische Kernreaktoren (Atom U-Boote)
Warum dann ein hochgradig unökonomisches ziviles AKW?
Ein rein militärischer Reaktor, wie seinerzeit Windscale, wäre sicher erheblich preiswerter. Und würde weit weniger im öffentlichen Rampenlicht stehen. Zur Not baut man ein Atom U-Boot mit einem entsprechenden (Brut)Reaktor; die kosten pro Stück auch nur knapp 10 Mrd. €. Zusätzlich könnte man die Querelen mit der EU bezüglich unerlaubter Subventionen und Marktverzerrung vermeiden; ein rein militärischer Reaktor würde nicht mit zivilen Firmen und Märkten konkurrieren.

LG,
Thorsten


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