Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#1 von Chris (edubily) , 29.05.2014 11:17

Dazu muss man kurz nachdenken, ich hoffe dazu hast du Lust. Wenn ja, dann los.

Wir erinnern uns: In meinem Artikel “no-carb, Fett und Randle" habe ich erklärt, dass Fett und Kohlenhydrate um ihre Oxidation (also Verbrennung) konkurrieren. Deshalb entsteht Diabetes und Insulinresistenz.

Warum ihr alle Angst vor Kohlenhydraten habt, hat zwei Gründe (auch wenn ihr davon vielleicht gar nichts wisst):

Insulin hemmt die Fettfreisetzung
Insulin stimuliert den Fettaufbau

Klingt also so, als ob Insulin tatsächlich der übelste Feind ist, wenn es darum geht, eine schlanke Linie zu haben.

Dass dies völliger Bockmist ist, das habe ich erklärt anhand der Bevölkerung von Kitava und anhand meiner Mama, die ja sehr, sehr schlank ist und an Weihnachten 1kg Lebkuchen isst (aber die nimmt ja auch Olivenblatt-Extrakt und Arginin…mal nachdenken).

Die zwei Punkte, die da oben stehen, würde ich als Monoperspektive bezeichnen. Wir haben vergessen, dass wir nicht in einer eindimensionalen Welt leben, sondern alles sehr plastisch ist.

Das habe ich zum Beispiel gestern erklärt in meinem Artikel “Insulin und Eiweiß”. Wo ein sehr cleverer Mensch nachgedacht und gesagt hat: Eiweiß lockt doch auch Insulin?!

Ha! Eiweiß lockt genauso viel Insulin wie Spaghetti.

Zu Punkt zwei: Insulin stimuliert ja tatsächlich den Fettaufbau, aber eben nicht so, wie wir das gerne hätten. Fettaufbau, also Lipogenese, bezeichnet einen Prozess, bei dem - Achtung! - Kohlenhydrate in Fett umgebaut werden.

Wir vergessen dabei aber immer: Je mehr Kohlenhydrate du isst, umso mehr wird dein Körper davon auch oxidieren, heißt dann: Glukose-Toleranz.

Und wir vergessen dabei auch immer: Damit Kohlenhydrate in Fett aufgebaut werden kann, brauchen wir die dazugehörigen Enzyme.

Und wir vergessen dabei auch immer: Wir haben ja eine Kalorienbilanz. DOCH! Die gibt es. Ganz, ganz sicher.

Und die Sache mit den Enzymen und dem Fettaufbau kann man wunderbar… “modulieren”. Man kann da etwas verändern!


Abb. 1: Schematische Darstellung der Glukose - bzw. Fettsäureoxidation

Das letzte Abbauprodukt, egal ob Fettsäureoxidation oder Glukoseoxidation, heißt Acetyl-CoA - nur diese Substanz wird im Citrat-Zyklus verarbeitet.

Bei Zuviel an Kohlenhydraten ist logischerweise auch zu viel Acetyl-CoA da, was der Körper mit Hilfe eines Enzyms namens ACC (verstärkt exprimiert durch Insulin) in Malonyl-CoA umwandelt.

Jetzt kommt der Punkt: Selbstverständlich kann man diese Umwandlung effektiv hemmen.

Und was macht der Körper dann mit dem Zuviel an Acetyl-CoA? Er oxidiert es einfach.

Wenn man es jetzt schaffen würde, die Fettzellen nicht noch zu füllen mit einem Überfluss an Fett (denn Fett wird direkt dort gespeichert), und zusätzlich noch für eine niedrigere zelluläre Glukoseaufnahme und erhöhte Fettfreisetzung sorgen würde… dann, ja dann… würde man ohne Zutun abnehmen.

We also discovered that arginine differentially regulates expression of fat-metabolic […],lipolysis in white adipose tissue. Specifically, arginine down-regulates expression of lipogenic genes, such as lipoprotein lipase (LPL), acetyl-CoA carboxylas (ACC) alpha but up-regulates expression of genes for lipolysis in white adipose tissue, […] In addition, decreased expression of GLUT4 in adipose tissue of arginine-treated pigs is sufficient to impair glucose transport and fatty acid synthesis, suggesting that energy substrates are preferentially partitioned to skeletal muscle rather than white adipose tissue

Arginin macht das alles, genau wie oben beschrieben.

Also bevor man sich dazu entscheidet, seinen Tag mit 100g Olivenöl, 100g Nüssen vollzufetten, sollte man vorher bedenken, dass man a) in der Ketose sein sollte und b) selbst die dünnsten meiner Freunde mit einer Fett-Diät zu -, nicht abnehmen. Nur mal meinen Senf dazu.

Wer jetzt aber immernoch glaubt, das Stück Brot macht dick, der kann ganze Experiment-Reihe dazu hier nachlesen.

Oder mal darüber nachdenken - wenn “Ängste” vorhanden sind - ob man nicht ein gestörtes Essverhalten hat.

Denn da wo das rationale Denken aufhört und aufgegeben wird zugunsten einer unbegründeten Angst, der hat… naja, ein großes Problem im Kopf.

Weiß ich deshalb, weil ich 4 Jahre lang genau so war. Und das war gestört, das weiß ich heute. Weil der Apfel mich eben nicht dick macht, da sind ja auch Kohlenhydrate drin.


 
Chris (edubily)
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RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#2 von justizia , 29.05.2014 13:25

Danke Chris, das hilft mir gegen meine aus der " no carb" heraus entwickelten Mandelsucht! Werde wohl lieber zu was greifen, was mich zufrieden und satt macht!

(Ich hab mich bis vor 7 Jahren hauptsächlich von Äpfeln ernährt - das waren locker 10 Äpfel am Tag wenn der Hunger sehr groß war auch mal eine oder 2 Bananen - ich hab damals also NUR Kohlehydrate gegessen - war auch nicht normal aber ich hab 8 kg weniger gewogen als jetzt nach einer no carb Ernährung - vielleicht sollte ich mal wieder einen Apfel essen)



 
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RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#3 von Nati ( gelöscht ) , 29.05.2014 16:57

Also so ein bisschen Schwierigkeiten habe ich noch mit Deiner "neuen Unbekümmertheit" bzgl. KH, lieber Chris.

Wofür plädierst Du jetzt genau?

Ich nehme inzwischen Birne, Apfel, Nektarine etc. in meinen Morgenquark

-> zu Ketozeiten waren das 4 Himbeeren, maximal ...
Und es durfte auch nicht zu viel Protein werden.
Ernährungstagebuch ... gibt ja inzwischen für fast alles eine App.

Ähnlich sieht das bei weiteren Speisen aus; ich zähle die KH nicht mehr einzeln ab,
aber ich vermeide "leere KH" nach wie vor.

Du meinst doch diese KH-Phobie, die ich zum Glück inzwischen ebenfalls überwunden habe?

Oder sollte ich nun

-> zum Frühstück Marmeladenbrötchen
-> zum Mittag Spaghetti und Schokopudding
-> zum Abend Käsebrot und Chips vor dem TV essen ???

Nein, nein - das meinst Du doch nicht ... ?!


Liebe Grüße,

Nati


Nati

RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#4 von Chris (edubily) , 29.05.2014 17:40

Hey Nati,

nein, ach Gott. Es ging mir einfach nur darum den Menschen die Angst zu nehmen vor ein paar Kohlenhydraten. Alleine schon, dass Angst da ist, zeigt doch, wie krass das alles ist.

Damit meine ich natürlich nicht, dass man jetzt jeden Tag ein KG Spaghetti ist, oder morgens 4 Brötchen mit Nutella...

LG, Chris


 
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RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#5 von Nati ( gelöscht ) , 29.05.2014 18:00

Dann sind wir uns ja einig!


Liebe Grüße,

Nati


Nati

RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#6 von Pong , 02.06.2014 17:18

Hallo,
das Thema KH ist ja nun geklärt, aber wie siehts mit dem Fettanteil aus, ab wann wäre es zuviel?

Nach einigen Experimenten hatte ich auch ein Intermezzo bei LCHF, nunja mit den zumindest von mir nicht erwarteten Folgen. Ich habe stetig zugenommen, egal an welcher Schraube ich gedreht habe es wurde nur noch schlimmer...inzwischen scheint mein Stoffwechsel komplett aus dem Tritt gekommen zu sein. Von daher wäre es ganz gut zu wissen wieviel Prozent Fett optimal wäre.

LG
Corina


LG
Corina


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RE: Kohlenhydrate - die zweite Perspektive - 29/05/14

#7 von Silly Ping , 03.06.2014 11:10

Ohh ich schließe mich der Frage von Corina an.

Ich ernähre mich seit 2007 LC mal mehr oder weniger streng ketogen. Mit viel Fett habe ich noch nicht abgenommen...es sättigt mich nicht so, sondern irgendwie löst das bei mir eher Lust auf mehr aus. Bei Käse ist das besonders schlimm. Allerdings kann ich mich allgemein mit Milchprodukten überfressen...Quark ist so ein Beispiel.

Lieber Chris, was wäre denn Deine Empfehlung?

Herzlichst
Silly


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