Fruktose

#1 von Strunzianer , 30.09.2014 13:00

Hallo zusammen,

natürlich leuchtet das ein. Aber ehrlich - wer ist schon Kartoffeln pur? Da verstehe ich dann dass man sagt "Kohlenhydrate ganz weg, dann kann man nichts falsch machen".

Und noch eine Frage: Welche Menge Fruktose ist denn unbedenklich? Ich esse nicht viel Obst, aber momentan doch täglich einen Apfel und 3-4 Zwetschgen im Quark. Ich denke mal das sollte die Leber locker aufnehmen, oder?


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RE: Fruktose

#2 von Bernd , 30.09.2014 13:32

Hallo,

ich denke, wenn man zurecht darauf hinweist, daß KH nicht gleich KH sind und Fruktose z. B. anders ("gefährlicher") als Glukose und Stärke, dann sollte man auch darauf hinweisen, daß zumindest aus meiner Sicht, die Kenntnis dieses Unterschiedes genauso wichtig ist, wie die Erkenntnis, das auch das Timing der Zufuhr von KH, u. a. auch Fructose, Glukose und selbst von Haushaltszucker, entscheidend dafür ist, ob man zunimmt, eine Fettleber bekommt oder andere negative gesundheitliche Folgen entstehen.

Die Aufnahme dieser Stoffe rund um sportliche Aktivität, idealerweise unmittelbar danach, ist etwas völlig anderes als die Zuführung in einer Ernährung ohne Sport, Training, körperliche Arbeit etc. Ausdauersportler wie Langläufer oder Radfahrer essen nach wie vor Unmengen an KH/unterschiedliche Zucker z. B. Nudeln, Kartoffeln, Bananen, Cola, Isodrinks etc. vor, während und nach dem Training oder Wettkampf und sind in der Regel nicht fett. Auch Kraftsportler füllen auf diese Weise ihre leeren Glykogenspeicher in Leber und Muskelatur nach dem Training oder am Cheat/Refeed-Day bis zum "Bersten" auf.

Die Aussage "Die Kartoffel (alleine, ohne eine andere Fettquelle!) macht allerhöchstens deinen Muskel dick – nämlich gefüllt mit Glykogen." ist natürlich völlig richtig, aber ich pers. möchte dennoch nicht nach einem Krafttraining z. B. auf Kartoffeln mit Quark(Fett) oder Bratkartoffel mit Rührei verzichten, denn beides zusammen, Glykogen und Eiweiß, machen den Muskel noch dicker! Auch trotz eines gewissen Fettanteils.

Ich möchte mit meinem Post letztlich nur zum Ausdruck bringen, man sollte auch nicht vergessen, daß es Nahrungstiming gibt, mit dem man problemlos auch "gefährliche" KH/Zucker etc. essen kann, ohne gesundheitliche Bedenken haben zu müssen. Weist man nicht darauf hin, ist das Strunzsches-KH-Bashing, nur runtergebrochen auf einen KH-Mikronährstoff, aber praktisch dasselbe.

Gruß Bernd


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RE: Fruktose

#3 von Chris (edubily) , 30.09.2014 13:37

Hallo Bernd,

da hast du natürlich völlig Recht, wenngleich die Leser der Artikel ja wissen, wie ich zu der Kohlenhydrat-Thematik stehe.
Es wäre womöglich angebracht, einen Artikel über das Timing zu schreiben - das stimmt schon.

Es sollte kein Fruktose-bashing darstellen, sondern zeigen, dass Fruktose so gegessen werden sollte, wie es in der Natur vorkommt... Kein Mensch hat sich jemals nur von Früchten ernährt und das Thema Fruktose ist kein Thema, sobald man sich an die Regeln der Natur hält.

Aber es sollte klar machen, dass Fruktose "schneller" und "anders" dick macht, als herkömmliche Glukose und dieses Wissen auch genutzt wird, um in Tieren rasch das metabolische Syndrom zu induzieren. Und das wird wiederum genutzt, um Propaganda gegen Kohlenhydrate zu betreiben.

LG, Chris

PS. Das stand also absolut NICHT im Gegensatz zu den Dingen, die du genannt hast (refeed, sportliche Aktivitäten etc.)



 
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RE: Fruktose

#4 von Chris (edubily) , 30.09.2014 13:46

Hatte das "nicht" vergessen :-)


 
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RE: Fruktose

#5 von Chris (edubily) , 30.09.2014 13:56

Zitat
Aber ehrlich - wer ist schon Kartoffeln pur? Da verstehe ich dann dass man sagt "Kohlenhydrate ganz weg, dann kann man nichts falsch machen".

Und noch eine Frage: Welche Menge Fruktose ist denn unbedenklich? Ich esse nicht viel Obst, aber momentan doch täglich einen Apfel und 3-4 Zwetschgen im Quark. Ich denke mal das sollte die Leber locker aufnehmen, oder?



Naja - es ging ja eher um die Tatsache, dass man unterscheidet zwischen klassischem Zucker und beispielsweise Stärke. So ist Reis, Kartoffel etc. im Prinzip ein reines Glukose-Produkt, was also hinsichtlich des regelmäßigen Konsums besser wäre als der beigesetzte Zucker in Getränken.

Eigentlich sollte der Post eine Sache sagen: Halte dich an die Natur (Fruktose und Zucker in Früchten) und dann ist das alles kein Problem.

Esse deine Kohlenhydrate in Form von Speicherorganen (Wurzelgemüse etc.).

Und trinke kein Zuckerwasser.

LG, Chris



 
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RE: Fruktose

#6 von Chris (edubily) , 30.09.2014 14:05

Und um auf dein Punkt zurück zu kommen Strunzianer:

Aus meinem Konzept geht klar hervor, dass es physiologisch besser ist, wenn man zu Kohlenhydraten kein Fett isst und umgekehrt zu Fett keine Kohlenhydrate.

Das sollte man schon beachten, wenn man sich für die jeweiligen Nahrungsmittel entscheidet. Jedenfalls ist es keine Neuigkeit, dass die Bratkartoffel (mit 50g Butter) nicht gut ist...

Allerdings kommt es hier auch wieder auf die von Bernd genannten Punkte an... wenn du gerade 12 Stunden gefastet hast, dann spielt es womöglich weniger eine Rolle, als wenn du es zu jeder Mahlzeit isst.



 
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RE: Fruktose

#7 von Bernd , 30.09.2014 14:05

Zitat von edubily im Beitrag #4
Hatte das "nicht" vergessen :-)


Hallo Chris,

na, dann bin ich ja beruhigt!

Gruß Bernd


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RE: Fruktose

#8 von Chris (edubily) , 30.09.2014 14:07

Gott sei Dank


 
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RE: Fruktose

#9 von Strunzianer , 30.09.2014 14:17

...leider haben die leckersten Lebensmittel KHs und Fett: Schokolade, Kartoffeln mit Matjes, Kuchen


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RE: Fruktose

#10 von Chris (edubily) , 30.09.2014 14:19

Genau das ist das Ding

Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass das kein Problem wäre, wenn man IF ordentlich praktizieren würde...

ÜBRIGENS: Kartoffeln plus Matjes ist gar nicht so schlecht! N3-Fettsäure sei Dank.



 
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RE: Fruktose

#11 von Gast ( Gast ) , 30.09.2014 15:53

Es gibt aber auch Menschen, die fast nur Obst essen: http://www.youtube.com/watch?v=EaypjavYQi8

Es funktioniert, wenn man ein sehr bewegtes Leben führt …


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RE: Fruktose

#12 von Chris (edubily) , 30.09.2014 17:42

Ja - das stimmt.

Das mit den Konzepten ist immer so eine Sache, weil man im wahren Leben eher diverse Konzepte gleichzeitig findet - wer sich bewegt oder adäquate Mengen an Kalorien konsumiert, der braucht sich diesbezüglich natürlich keine Gedanken zu machen.


 
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RE: Fruktose

#13 von Taimes , 11.10.2014 11:47

Zitat von edubily im Beitrag #6


Aus meinem Konzept geht klar hervor, dass es physiologisch besser ist, wenn man zu Kohlenhydraten kein Fett isst und umgekehrt zu Fett keine Kohlenhydrate.

Das sollte man schon beachten, wenn man sich für die jeweiligen Nahrungsmittel entscheidet. Jedenfalls ist es keine Neuigkeit, dass die Bratkartoffel (mit 50g Butter) nicht gut ist...

Allerdings kommt es hier auch wieder auf die von Bernd genannten Punkte an... wenn du gerade 12 Stunden gefastet hast, dann spielt es womöglich weniger eine Rolle, als wenn du es zu jeder Mahlzeit isst.



Naja, komplette Trennung von Carbs und Fett halte ich aber aus mehreren Aspekten nicht pauschal für gut.
Auch was intestinale Absorptionsprozesse angeht...gerade Stärke (ohne Fett) kann ja durchaus auch Probleme bereiten wie zB die Persorption von höher-molekularen Stärkemoleküle.
Natürlich is de Mischung high-carb + high-fat auf Dauer ein großes Problem, aber bedenkt man die umfassende Signalwirkung von alimentärem Fett sind geringe/katalysatorische Mengen in gewisserweise auch vorteilhaft


Ich spreche hier zB von Ölsäure, welche direkt oder indirekt GLP1-Spiegel erhöht, Vorstufe für Oleoylethanolamid darstellt...Gallensäure bzw Rezeptoren dafür sind ebenfalls von Interesse und Galleproduktion wird ja va durch Fettkonsum stimuliert. Bestimmte Apolipoproteine (A-IV) aus den Chylkomikronen besitzen auch ausgeprägte Signalwirkung

Und all das hat Einfluss auf die Nahrungsaufnahme und auch das Nährstoff-Handling. Also komplett isoliert würde ich Carbs (gerade Stärke) auch nicht zuführen. Aber große Fettmengen sind auch wieder nicht nötig dafür.

Zitat von edubily im Beitrag #3


Aber es sollte klar machen, dass Fruktose "schneller" und "anders" dick macht, als herkömmliche Glukose und dieses Wissen auch genutzt wird, um in Tieren rasch das metabolische Syndrom zu induzieren. Und das wird wiederum genutzt, um Propaganda gegen Kohlenhydrate zu betreiben.




Jap, in diesem Bereich werden die Erkenntnisse aus dem Tiermodell schon ein stückweit missbraucht. Es liegt einfach eine zu große translationale Diskrepanz vor.
Auch wenn das Kippen von vor HFCS / Zucker-strotzenden Sofdrinks und schnell anflutenden Fructose auch in übergewichtigen Personen sicher noch alles verschlimmert. Aber deswegen jetzt Fructose als einzigen (oder von mir aus auch "nur" den wichtigsten Grund) der Adipositas-Epidemie zu deklarieren und dafür Stärke oder Low-Carb abzufeiern is wohl ziemlich weit entfernt von der Wahrheit.

Va ist das mit der Fructose ja auch stark Spezies-spezifisch....die meisten Ratten-Linien sind sehr anfällig was Fructose-Fütterung angeht und entwickeln rasant ne Fettleber, Insulin-Resistent und die diet-induced obesity.
Mäuse im Vergleich überhaupt nicht. Fressen in der Fructose-Gruppe mehr als die Kontrollen aber sind fast sogar noch leicht und steigern ihren Energieverbrauch.

Außerdem gibt es auch in Human-Meta-analysen deutliche Evidenz, dass 40g Fructose pro Tag der Glucose-Homöostase sehr zuträglich ist (HbA1c, HOMA-IR, GTT, ...)
Sogar prospektive Studien wurden in Menschen durchgeführt und Glucose und Fructose overfeeding durchgeführt. Einzig die Triglyceride waren bei der Fructosegruppe höher, Insulin-Sensitivität und Gewichtszunahme gab es keine Unterschiede.

Es kommt auf den Kontext an, wie schon geschrieben



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RE: Fruktose

#14 von Chris (edubily) , 11.10.2014 12:31

Ja - das Gesagte kann ich nur unterschreiben.

Allerdings ist 40g Fruktose weit entfernt von 250g Kohlenhydraten, die man sich bei mäßig-high carb einverleiben würde.

Mein Punkt war: Fruktose wirkt deshalb so schön bzgl. metabolischem Syndrom, weil es quasi eine Leberpräferenz hat hinsichtlich seiner Verstoffwechselung.

Fett sollte man 'Pi mal Daumen' von Kohlenhydraten trennen. Ob da dann 10g Kokosöl oder 10g Olivenöl dabei sind... Das kann man sich natürlich schenken.

An dieser Stelle kann man sich natürlich auch wieder streiten: Ölsäure kann viele negativen Wirkungen von Palmitinsäure umkehren, auch bzgl. Insulinresistenz etc. Die Frage ist, in weit wir das in vivo sehen würden bei gleichzeitigem Konsum von Kohlenhydraten und anderen Fettsäuren.

Mir geht und ging es in erster Linie um eine bessere Nährstoffpartitionierung. Es hat schon einen Grund, warum wir eine grundlegende Präferenz haben für Lebensmittel, die KH und Fett gleichermaßen beinhalten. Es erhöht sich - theoretisch - die energetische Ausbeute, weil es besser in langfristige Speicher (Fettgewebe) überführbar ist und nebenbei noch das anabole insulin-signalling inklusive fettgewebesspez. LPL anspricht, so dass das aufgenommene Fett eher im Fettgewebe gespeichert wird, als in den Muskel aufgenommen.

Diese Tendenz würde man nicht sehen, wenn man einigermaßen strikt trennt - jedenfalls wäre es ein Stück weit Schadensminimierung.

Edit:
Übrigens war mein Artikel kein 'anti Fruktose' sondern sollte lediglich aufklären, warum Fruktose repräsentativ für das fattening von Kohlenhydrate steht.



 
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RE: Fruktose

#15 von Chris (edubily) , 11.10.2014 16:03

Was mir vorhin noch eingefallen ist: Wir diskutieren hier auf höchst theoretischer Ebene.

Im Kontext von Kalorien verliert das natürlich alles an Wert - das ist klar.


 
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