wissenschaftliche Studien & "cherry picking"

#1 von t0my89 , 14.04.2016 21:33

Mahlzeit! Habe heute den Artikel bzgl. Phythinsäure gelesen. Fand den grundsätzlich gut, hat mich dazu animiert das Thema zu hinterfragen.( http://edubily.de/2016/04/phytinsaeure-darmkrebs/)

Bzgl. Dr. Gregor bin ich allerdings skeptisch. Hab mich jetzt mal ein bisschen mit seinen Inhalten auf Nutritionfacts.org beschäftigt. Er argumentiert zwar stets wissenschaftlich, aber dennoch hab ich das Gefühl das er „cherry picking“ betreibt. Er scheint alles in die Richtung „vegan“ zu lenken.

Da stoße ich auf Aussagen wie: Eier machen Krebs, Tierisches Eiweiss ist schlecht, Milchprodukte sind böse, ABER SOOJA ist ganz toll! (jeweils mit Studien belegt)

Ist das sein Ernst? Wo sind die Studien die jeweils das Gegenteil beweisen? Warum werden diese nicht berücksichtigt?

Ich bin kein Experte und kenne mich auch nicht gut mit der Auswertung von Studien aus. Aber wenn ich die Beiträge& Videos von Dr. Gregor (der einen kompetenten Eindruck macht!!) verfolge, weiß ich einfach nicht was ich ihm glauben kann und was nicht.

Meine These:
Hab mittlerweile das Gefühl, das JEDER Autor, der gewisse Themen wissenschaftlich darstellen möchte, durch den eigenen Standpunkt & eigene Glaubenssätze ein gewisses Maß an „cherry picking“ betreibt.Es werden also bevorzugt Studien ausgewählt,welche die eigene Auffassung zum Thema gut widerspiegeln (evtl. geschieht das auch unterbewusst). Das Resultat ist dann eine Verzerrung des eigentlichen Forschungsstandes, welche je nach Studiendichte, Neutralität des Autors und dessen Kompetenz, stärker oder schwächer ausgeprägt ist.

Ich fühle mich etwas versunsichert!

Was denkt ihr zu diesem Thema?


Viele Grüße

Tomy



 
t0my89
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zuletzt bearbeitet 14.04.2016 | Top

RE: wissenschaftliche Studien & "cherry picking"

#2 von Chris (edubily) , 14.04.2016 21:58

Hey Tomy,

da ich den Literaturhinweis gegeben habe, will ich auch mal kurz was dazu sagen.

Grundsätzlich, da hast du absolut recht, ist es hier nicht anders als z. B. bei Autoren der Paläo-Szene, die natürlich auch Studien finden (wollen), die ihre Thesen belegen. Klassischerweise z. B., dass Eier keinen Einfluss auf das Cholesterin haben, dass gesättigte Fettsäuren kein Problem sind, dass Gluten für alles Erdenkliche verantwortlich ist ... und so weiter.

Dr. Greger zeigt sehr interessante Perspektiven auf und davon nicht zu wenig. Meines Erachtens ist es genau das, was die Szene derzeit braucht. Eine Perspektivenkorrektur, um die besseren Entscheidungen zu treffen. Das beinhaltet nicht, dass man ihm jetzt alles aufs Wort glaubt. Aber eine solche Phytinsäure-Evidenz würde man auf keiner Paläo-Seite (Achtung, nur ein Beispiel!) lesen, weil sie einfach nicht ins Bild passen.

Ich denke, es schadet nicht, sich z. B. mit gewissen Fragen auseinanderzusetzen. Wieso ist "tierisches Protein" "schlechter" als Pflanzenprotein? Also: Wieso schneidet es schlechter ab? Die Evidenz an sich ist da und wird von ihm diskutiert. Ob seine Schlüsse richtig sind, das steht auf einem anderen Blatt. Z. B. könnte nicht das Protein das Problem sein, sondern Fleisch per se, z. B. Häm-Eisen. Das ist nur eine Idee. Auch hier spielen ganz spannende Forschungen rein, die man sonst nirgends liest, z. B., dass Fleisch - im Vergleich zur gleichen Menge Pflanzenprotein - Entzündungen induziert, gemessen anhand der Nierenarterien (wenn ich mich recht erinnere).

Insofern: Das, was ich mit dem Hinweis erreichen will, ist nicht, dass jetzt wieder neue Nahrungsmittel verurteilt werden, sondern a) dass die Perspektive erweitert wird (=> die wird erweitert, wegen der Studien-Flut) und b) dass Leser ein Gespür für die Macht von pflanzlicher Kost bekommen. Und diese Evidenz legt er ganz hervorragend dar.

Warum habe ich Dr. Greger genommen und nicht andere "Vegan-Gurus"? Der Grund ist, dass er selbst nicht möchte, dass man per se von veganer Ernährung spricht, stattdessen möchte er Leute dazu animieren, mehr Pflanzen zu essen.

Und das ist definitiv eine gute Sache.

Also: Ich denke, wer sich mit Studien auseinandersetzt, kann schnell zum Schluss kommen, dass alles Tierische tierisch schlecht für uns ist. Für Pflanzen gibt es diese Evidenz in der Fülle nicht. Das heißt: Alles das, was Dr. Greger da schreibt, ist sicher nicht gänzlich verkehrt, im Gegenteil. Die Frage ist eher, ob immer die richtigen Schlüsse gezogen werden. Als Beispiel: Tierisches Protein lässt IGF steigen und IGF begünstigt Krebsentstehung. Das kann man sicher so sehen. Die Gegenfrage aber: Wieso gilt das nicht für Kraftsportler? Unter welchen Umständen ist IGF problematisch? Wurde IGF hier bei Normalgewichtigen gemessen? Und so weiter und so fort.


Wir zeigen Möglichkeiten, nicht die Lösung.


Tobi90 hat sich bedankt!
 
Chris (edubily)
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