Vitamin A I + II - 27/05/14

#1 von Chris (edubily) , 28.05.2014 23:52

Vitamin A

Wie gestern angekündigt, werde ich ab heute eine Serie starten, in der alle wichtigen essentiellen Substanzen besprochen werden sollen.

Vorweg: Wir diskutieren immer über Dosierungen, ganz aktuell Methionin, und vergessen dabei eines: Wir können genau messen, was passiert, wenn eine (in diesem Fall) Aminosäure fehlt. Wir Menschen können sehr wohl diskutieren, aber mit meiner Zelle brauche ich nicht zu diskutieren.

Daher: Wissenschaft heißt wissen, was das Gegenteil von meinen und glauben ist. Das ist deshalb so wichtig, weil man sich angewöhnen sollte, das, was man da messen kann, bitter-ernst zu nehmen.

Wenn ich also sage, bei x Gramm Arginin verhinderst du Arteriosklerose, dann ist das Fakt. Dann ist das kein “vielleicht” oder “mal sehen”, sondern es wird passieren.

Vitamin A

Ich werde hier jetzt keine Strukturformeln etc. posten, weil ich der Ansicht bin, dass das eh niemanden interessiert, geschweige denn verstanden wird. Insofern geht es eher um die real-life Bedeutung.

Das mit beta-Carotin ist so eine Sache. Nehmen wir mal die Karotte, das heilige Beispiel für diese Vitamin A-Vorstufe. Dort sind ca. 8mg beta-Carotin/100g Karotte enthalten. Das entspricht ungefähr einem Wert von 13.000IU. Bis hierher habe ich nur mal eben die Einheit von mg auf Internationale Einheiten (IU) getauscht. Wenn jemand so komisch im Kopf ist wie ich und täglich ein Kilogramm davon isst, dann wäre er bei 130.000IU beta-Carotin. Klingt ordentlich.

Das Problem ist nur, dass beta-Carotin erst einmal aufgenommen werden muss aus dem Darm und dann auch noch umgewandelt werden will in Retinol.

On estimation, approximately 1.4 mg of the 40 mg beta-carotene dose was absorbed […]

Also 1/40 beta-Carotin wurde in der obigen Arbeit von O’Neill et al. (1998) tatsächlich ins Blut aufgenommen.

Angenommen wir sind hier nicht so penibel, dann liegt der Umwandlungsfaktor von bC in Retinol immernoch bei 12-25:1, heißt im Schnitt nur 1/18 der aufgenommenen bC-Menge wird tatsächlich zu Retinol.

Für unser obiges Beispiel mit 1000g Karotten wären das großzügig geschätzt ungefähr 7000IU.

Kleine Anekdote: Es gab mal eine Zeit, da wusste ich von Retinol noch nichts und habe tatsächlich jeden Tag 1000g Karotten gegessen. Das ging so lange gut, bis ich von meinen Mannschafts-Kollegen Rabbit (engl. Hase) genannt wurde, weil ich so organe am ganzen Körper war.Meine Haut war aber immernoch so rissig, dass die selben Kollegen mich darauf hingewiesen haben, dass ich wohl einen Vitamin-Mangel habe.

Das war natürlich alles gegessen nach 4 Wochen Retinol, also nix mehr rissige Haut.

Das erkennen auch Autoren von Arbeiten und schreiben dann hin: Höflicherweise muss man daraufhinweisen, dass der individuelle Umwanldungsfaktor genetischen Schwankungen unterliegt.

Für mich hieß das: Bei mir klappt das mit der Umwandlung wohl nicht.
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Was macht denn Vitamin A so in unserem Körper?

Zunächst einmal muss man wissen, dass Retinol in menschlichen Körper umgewandelt wird zur Retinsäure, einem Hormon.

Hormone sind stark in ihrer Wirkung, das sieht man anhand des Unterschiedes zwischen Mann und Frau.

Vitamin A und seine Derivate (Abkömmlinge), dazu zählt auch die oben genannten Retinsäure, nennt man auch Retinoide. Diese Retinoide haben eine enorme Bedeutung:

Sie spielen die Rolle in der Embryogenese.

Das heißt, ohne Retinol gäb’s dich und mich gar nicht.

Zwischen Embryo und Erwachsensein steht eine Sache: Wachstum.

Wachstums passiert auf zellulärer Ebene in dem sich Zellen vermehren (Proliferation) und differenzieren, macht Sinn, denn ohne Differenzierung wüsste die Zelle nicht, ob sie jetzt eine Darm - oder Muskelzelle ist.

Das ist Forschern schon vor fast 30 Jahren aufgefallen: Wenn nicht genug Retinoide da sind, dann sind Stammzellen überhaupt nicht in der Lage adult zu werden, heißt zu reifen. Das ist ziemlich ungünstig, kann man sich vorstellen, denn der Körper ist ja kein statisches Bauwerk aus Stahl, sondern hat ein Mauerwerk, dass ab und zu mal kaputt geht. Und wenn dann nicht ordentlich nachgeliefert wird, dann hat man halt keine Mauer aus Stein, sondern vielleicht eine Mauer aus Holz.

Das kann man sehr gut sehen bei Herzen, die kaputt gehen: Wenn durch Überdruck (Bluthochdruck) “kleine Risse” im Herzen entstehen, dann müssten da eigentlich Kardiomyocyten, also Herzmuskel-Zellen hin, aber in vielen Fällen kommt da Kollagen hin. Ist schlecht, weil Kollagen stopft zwar die Wunde, aber ist funktionell nicht der Bringer.

Wir erinnern uns weiterhin: Krebs ist eine Erkrankung, bei der die Proliferation und Differenzierung total fehlgeleitet ist. Kein Wunder, dass man damals sagte: Retinoide kontrollieren das Zellwachstum, dann wäre es sinnvoll anzunehmen, dass man die krankhafte Zelle (Tumor) einfach wieder auf “normal” programmiert, anstatt sie gleich abzutöten (Apoptose).

So etwas nenne ich eine geniale Idee.

20 Jahre später wusste man, dass diese Idee nicht nur genial war, sondern auch stimmig:

Studies from a number of laboratories including our own have analyzed the ability of retinoic acid (RA) to inhibit the growth of human tumor cell lines (13–28). RA treatment was found to reduce DNA synthesis, induce morphological changes, prolong cell doubling time and reduce saturation density and colony formation in soft agar assays. In virtually all of these cases, retinoid suppression of growth does not involve the death of tumor cells but rather their arrest during the G1 stage of the cell cycle (14).

Retinoic acid, also Retinsäure, stoppt den Wachstumsprozess von Tumorzellen, und tatsächlich: Hier wird die Tumorzelle nicht abgetötet, aber einfach so programmiert, dass sie nicht weiter durch die Gegend wachsen kann.

Das Töten wäre dann die Aufgabe eines kompeteten Immunsystems.

Wo wir beim nächsten Punkt wären. Retinoide spielen auch eine wichtige Rolle im Immunsystem, so wichtig, dass eine im März erschienen Arbeit titelte: “A is for immunity”, erschienen in der nature. Kinder, deren Eltern wenig Vitamin A im Blut hatten (Schwangerschaft), haben kleinere Lymphknoten und eine schlechtere Immunantwort bei Erkrankungen.

Greifen wir also die Rolle der Retinoide, besser Retinsäure, hinsichtlich der Rolle bei der Zelldifferenzierung und - proliferation auf, dann macht eines ganz besonders Sinn: Auch Immunzellen müssen diesen Prozess durchlaufen.

Kein Wunder, dass Retinsäure eine wesentliche Rolle dabei spielt. Die Auswirkungen kann sich jetzt jeder für sich selbst ausmalen, also im Falle eines Mangels an dieser Substanz.

Schon in den 60ern wusste man, dass man Vitamin A dringend braucht, wenn man eine gesunde Menge Steroide im Blut haben will. Steroide sind nicht nur Androgene wie Testosteron, sondern durchaus aus auch Substanzen wie Cortisol. Das ist deshalb so wichtig, weil ich viele Menschen kenne, die plötzlich einen “adrenalen Burnout” haben. Man könnte jetzt mal kurz nachdenken.

Also ohne Vitamin A nichts los in der Hos. Jedenfalls in der Hose des Mannes, wo Testosteron entsteht.

Jetzt kommen wir aber mal zu ernsteren Themen, wie dem Sauerstoff-Transport. Warum Sauerstoff so wichtig ist, das weiß jeder, der mal eine Minute unter Wasser war.

Wieder einmal stimuliert die Retinsäure auch hier die Vermehrungsrate der Zelle, genauer: Stammzellen von roten Blutzellen. Das Ding ist nur, dass VitA nicht nur für die Vermehrung der Stammzellen zuständig ist, sondern auch noch dafür, dass die roten Blutzellen eine Ladung Eisen aus dem Eisenspeicher der Leber bekommen.

Füttert man den Ratten eine Ernährung, die defizient ist bezogen auf Eisen, dann entwickeln die logischerweise einen Eisenmangel und damit verbunden einen Ferritin-Mangel. Anmerkung: Wäre blöd, wenn man zu wenig Ferritin hat.

Füttert man ordentlich VitA dazu, dann bleibt uns dies erspart und die Ferrtin-Werte bleiben unverändert. Daraus folgerten die Autoren, dass VitA auch maßgeblich daran beteiligt ist, wieviel Ferritin wir im Körper haben.

Ganz aktuell haben wir erfahren, dass Retinoide auch den kompletten Fettstoffwechsel regulieren. Meine Beiträge dazu kann man im Archiv finden. Jedenfalls habe ich mehrfach erklärt, dass Retinsäure alle am Fettstoffwechsel beteiligten Proteine hochreguliert, also genau das macht, wovon jeder Sportler träumt:

Retinsäure schenkt uns einen Fettstoffwechsel.

Das ist so profund, dass ich meine Begeisterung hier gar nicht in Worte fassen kann.

Also noch einmal kurz zum Mitschreiben: Da steht “der Fettstoffwechsel wird reguliert und kontrolliert durch Retinsäure”, also da steht nur Retinsäure und keine andere Substanz…

Warte mal… da war doch was… PPARdelta ist wieder so ein Schalter in der Zelle. Es gibt ja nicht so viel :-) (Sarkasmus). Spaß beiseite, edubily-Leser kennen die wichtigsten. PPARdelta ist auch so einer. Aktiviert man PPARdelta, haben Mäuse plötzlich doppelt so viele fettverbennenden Typ1-Muskelfasern, doppelt so viele Mitochondrien und doppelt so viele Enyzme, die am Fettstoffwechsel partizipieren.

Diese Mäuse werden nicht dick und diese Mäuse rennen doppelt so lange, wie die Kontrollmäuse.

Also kann man sich fragen, wie man PPARdelta aktiviert. Retinsäure macht das! Kein Wunder also, warum Retinsäure den kompletten Fettstoffwechsel kontrolliert…


 
Chris (edubily)
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RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#2 von Thomas , 17.06.2014 14:45

Wiehoch sollte/kann man Vitamin A bei 15 Jährigen dosieren?


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RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#3 von Chris (edubily) , 17.06.2014 15:32

Auch 15-jährige dürfen zwei - bis dreimal wöchentlich Leber essen, das heißt so 10-50.000IE/Tag konsumieren.
Allerdings: Gerade bei fettlöslichen Vitaminen würde ich phasenweisen Konsum vorschlagen. Bspw. 4-6 Wochen 50.000IE, dann ein paar Wochen gar nichts usw. Oder man wählt eine generell niedrigere Dosis (10.000IE) und gibt die dann täglich.


 
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RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#4 von Thomas , 17.06.2014 15:42

Danke Chris

dann nehme ich lieber die 10.000 IE Variante (dann auch für mich )


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RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#5 von vera8555 , 12.08.2014 18:18

Hallo Chris,
habe bisher das Vit.A von BIOVEA 10.000 IE täglich genommen.
Jetzt habe ich mir das Vit.A von bodybuilding ( NOW) mit 25.000 IE bestellt.
Als Verzehrempfehlung steht 1xtägl. 1Kapsel.
Das ist doch sicher zuviel ? Soll ich nur alle zwei Tage eine Kapsel nehmen?
Esse allerdings fast keine Leber, aber täglich mind. 1Ei.
LG Vera


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RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#6 von Gelöschtes Mitglied , 13.08.2014 08:17

Hallo Vera,

nehme selbst aus Bequemlichkeit einfach 70.000 IE einmal die Woche - das entspricht auch etwa einer Lebermahlzeit.
Gleiches mache ich mit der Lugol Lösung (Jod). -> 1x die Woche 7 Tropfen.
Sollte bei den Speicher-Vitaminen/Spurenelementen kein Problem sein.

LG, Sven



RE: Vitamin A I + II - 27/05/14

#7 von Pong , 13.08.2014 09:33

Ich habe auch Vitamin A 25.000 IE von NOW und nehme es meist ein über den anderen Tag. Im Falle eines beginnenden Infektes nehme ich sie dann einige Tage täglich. Gabs Leber lasse ich sie dafür einige Tage ausfallen.


LG
Corina


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