Glutamat?

#1 von Anzm , 16.12.2015 14:53

Was haltet ihr eig von Glutamat bzw. der Nutzung von Mononatriumglutamat als Gewürz?

Hat allgemein ja einen ziemlich schlechten Ruf, obwohl (laut z.b. examine.com) keine wirklichen Beweise dafür vorliegen.

Außerdem verwirrt mich folgende Studie ein wenig:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10736365

"Glutamate was the single largest contributor to intestinal energy generation. The results also suggested that dietary glutamate appeared to be a specific precursor for the biosynthesis of glutathione, arginine and proline by the small intestinal mucosa. These studies imply that dietary glutamate has an important functional role in the gut. Furthermore, these functions are apparently different from those of arterial glutamine, the substrate that has received the most attention."

Glutamat ist also ein Eneregielieferant für für Darmzellen? Warum dann nicht einfach zu jeder Mahlzeit ein wenig Glutamat hinzu?


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RE: Glutamat?

#2 von Gelöschtes Mitglied , 16.12.2015 16:07

Also ich kann da nur eine Vermtung in den Raum werfen:

Glutamin und Glutamat sind sich ja recht ähnlich, und Glutamin ist bekanntlich der hauptsächliche Energielieferant für die Darmzellen.

Evtl. wird Glutamin bei der Verdauung in Glutamat abgebaut und das wird dann von der Darmzelle in Energie umgesetzt.
Oder bin ich da auf dem Holzweg?

LG Jens


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RE: Glutamat?

#3 von H_D , 16.12.2015 16:18

Hatte hier mal was dazu geschrieben

Dr. Bieger: Neurostress-Guide

Zitat
Taurin dient einerseits der Relaxation, wirkt aber auch kognitiv leistungssteigernd und hemmt Glutamat, was wiederum wichtig für motorische Funktionen ist.


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RE: Glutamat?

#4 von Anzm , 16.12.2015 19:51

@jf

Ja, habe mir ähnliches gedacht, bin aber skeptisch. Wenn Glutamat so wie Glutamin einigen Darmzellen als Energielieferant dient, was soll an Glutamat so verkehrt sein?
Dann könnte man theoretisch Glutamat statt Glutamin nutzen, da Ersteres wesentlich günstiger ist und dazu noch den Umami-Geschmack liefert.
Aber wird ja meist als "Gift" dargestellt und man findet per Google auch NICHTS positives darüber. Höchstens vereinzelt mal Aussagen wie "Glutamat ist in Maßen unbedenklich", sodass ich da ein wenig verwirrt bin...

@H_D
Ok, wichtig für motorische Funktionen. Ist anscheinend ja auch ein Neurotransmitter... Aber auch womöglich gut für die Darmgesundheit ähnlich wie Glutamin oder nicht?


Edit:

Ok, gerade doch etwas positives, aber auch verwunderliches entdeckt: http://flexikon.doccheck.com/de/Glutamat

"L-Glutamat soll zudem Muskelaufbau dienen und positiv auf das Immunsystem einwirken. Bodybuilder nehmen Glutamat daher häufig zum Muskelaufbau ein."

Komisch... Weiß da eventuell jemand mehr über Glutamat und dessen Wirkungen im Körper?



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zuletzt bearbeitet 16.12.2015 | Top

RE: Glutamat?

#5 von Waldmops , 18.12.2015 11:59

Zitat von Anzm im Beitrag #4
@jf
Ok, gerade doch etwas positives, aber auch verwunderliches entdeckt: http://flexikon.doccheck.com/de/Glutamat

"L-Glutamat soll zudem Muskelaufbau dienen und positiv auf das Immunsystem einwirken. Bodybuilder nehmen Glutamat daher häufig zum Muskelaufbau ein."

Komisch... Weiß da eventuell jemand mehr über Glutamat und dessen Wirkungen im Körper?


Ich glaube hier wird Glutamat mit L-Glutamin verwechselt!


 
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RE: Glutamat?

#6 von Cleo , 26.12.2015 10:05

Zitat von Anzm im Beitrag #4
... was soll an Glutamat so verkehrt sein?


Wenn man den Aspekt, dass Glutamat eben auch individuelle unerwünschte (Neben-)Wirkungen hat, mal ganz außen vorlässt, dann ist m.E. das Verkehrte am Glutamat sein inflationeller Gebrauch in der industriellen Nahrungsmittelproduktion insofern, als dass in der Natur das Vorhandensein von Glutamat mittels des Umami-Geschmacks auf das Vorhandensein einer hochwertigen Eiweißquelle hindeutet - was bei Maggi-Knorr-Fix-und-Fertig-Tüten eben nicht der Fall ist. Ich halte das für einen der Faktoren, warum man dem Glutamat nachsagt, dass es die Sättigungsregulismen im Körper nachhaltig stört.

Die andere Frage ist, ob z.B. Europäer es schaffen, ähnlich hohe Glutamat-Dosen wie Asiaten zu verdauen. Bzw. ganz allgemein, ob "viel hilft viel" unbedingt zutreffen muss, wenn Überschüsse evtl. nicht einfach ungenutzt ausgeschieden werden oder verpuffen, sondern möglicherweise Dysbalancen erzeugen (weniger im Darm, sondern vielmehr in der Gehirnchemie).


 
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RE: Glutamat?

#7 von Anzm , 29.12.2015 01:25

@Cleo
Naja... Unter der Prämisse, dass jeder Geschmack auf das Vorhandensein von iwas hindeutet, müsste Salzen/Süßen/etc ähnlich verkehrt sein. Und das alltägliche Konsumieren von derartigen Mengen einzelner Substanzen, die wir durch die Nahrung nur schwer aufnehmen könnten sowieso...

Hab jedenfalls mal wieder kurz gegoogled und hier n paar Dinge, die ich gefunden habe:



Augenmerk aufn 3. Absatz mit den markierten "Glutamate".
Auszug aus "Neural and Metabolic Control of Macronutrient Intake"
___

“It’s (widely) believed that glucose is the only energy source for the gut, but it is not true,” Wu said. “It’s glutamate, along with its metabolites glutamine and aspartate. Until recently, Texas approved glutamate as a supplement for animal use, and its benefits are that it aids lactating, weanling and pregnant animals.”

"Though there are concerns that sodium glutamate in diets is bad for animals and humans, he said, moderate levels of this nutrient from dietary supplementation or protein can be beneficial. Results of recent studies by Wu and colleagues at Texas Veterinary Medical Diagnostic Laboratory indicate that dietary supplementation with as high as 4 percent sodium glutamate (4 g sodium glutamate per 100 g food) is safe in growing pigs." - Wobei 4g pro 100g Nahrung nach zu viel klingt...

Scheint dem Gehirn angeblich auch nichts böses zu tun:

“Almost all of glutamate in the diet is catabolized by the small intestine to fulfill its important physiological and nutritional functions. In pigs and humans, very little dietary glutamate enters the blood circulation. This is very different than the direct injection of glutamate into the brain, which bypasses intestinal metabolism.”

http://animalscience.tamu.edu/2013/12/18...l-human-health/
___

"These findings suggest that dietary addition of 2% L-glutamate improves the intestinal integrity and influences the expression of amino acid receptors and transporters in the jejunum of weaning, which is beneficial for the improvement of jejunal nutrients for digestion and absorption."

http://journals.plos.org/plosone/article...al.pone.0111950
___

"Intestinal epithelial cell capacity to oxidize l-glutamine and l-glutamate is already high in piglets at birth and during the suckling period. In colonocytes, l-glutamate also serves as a fuel but is provided from the bloodstream. Alimentary and endogenous proteins that escape digestion enter the large intestine and are broken down by colonic bacterial flora, which then release l-glutamate into the lumen. l-Glutamate can then serve in the colon lumen as a precursor for butyrate and acetate in bacteria. l-Glutamate, in addition to fiber and digestion-resistant starch, can thus serve as a luminally derived fuel precursor for colonocytes."

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19571215
___

"The results also suggested that dietary glutamate appeared to be a specific precursor for the biosynthesis of glutathione, arginine and proline by the small intestinal mucosa. These studies imply that dietary glutamate has an important functional role in the gut. Furthermore, these functions are apparently different from those of arterial glutamine, the substrate that has received the most attention."

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10736365


Ist halt immer von "glutamate" - das laut Wiki in Biologie und Medizin synonym zu "Glutaminsäure" ist - und nie von "monosodium glutamate" die Rede, aber MSG sollte doch genau so wie in Nahrung auftauchende Glutaminsäure verstoffwechselt werden, oder?
Wenn dem so ist, dann scheint es so, dass ein paar Gramm Glutamat nicht schaden, ganz im Gegenteil... Der Darm scheint ja angeblich all das Zeug zu verbrennen und profitiert davon


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RE: Glutamat?

#8 von Cleo , 29.12.2015 09:31

Zitat von Anzm im Beitrag #7
@Cleo
Naja... Unter der Prämisse, dass jeder Geschmack auf das Vorhandensein von iwas hindeutet, müsste Salzen/Süßen/etc ähnlich verkehrt sein.

Weder Salz noch Zucker sind Aminosäuren. Keines von beiden ist ein ähnlich wichtiger Neurotransmitter wie Glutaminsäure. Mononatriumglutamat ist nicht identisch mit Glutaminsäure.

Was glaubst Du, welche Funktion das Vorhandensein von Geschmack hat (wenn nicht die Nahrungsaufnahme, -zusammensetzung und -menge zu steuern)? Hätte Geschmack keine Funktion, würden die Dinge nach nichts schmecken oder alle gleich.

Zitat
Und das alltägliche Konsumieren von derartigen Mengen einzelner Substanzen, die wir durch die Nahrung nur schwer aufnehmen könnten sowieso...


Ich persönlich denke nicht, dass die tägliche Aufnahme von "derartigen Mengen einzelner Substanzen" auf Dauer unbedenklich ist. Meinem Verständnis nach gibt es für alles, was wir zu uns nehmen, einen (jeweils individuellen) Mangelbereich einen Optimalbereich und einen toxischen Bereich - von Nährstoffen bis hin zu Wasserkonsum.

Ich hab ja nicht behauptet, dass mein obiger Einwurf der unumstößliche Beweis dafür ist, dass Glutamat tötet. ;-)


 
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