Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#1 von Jens , 28.05.2014 23:30

Hi Leute,
lese gerade das überaus anregende Buch von Kuklinski „Mitochondrientherapie - die Alternative“.
Kann das Buch sehr empfehlen, es gibt ja im deutschsprachigen Raum nicht viele Bücher über mitochondriale Medizin. Behandelt einiges an Grundlagen und geht auf konkrete Krankheitsbilder ein, z. B. Burnout, Herzkrankheiten, Diabetes etc., alles aus der Perspektive von gestörten Mitochondrien.

Hier eine konkrete Frage zum NO Haushalt, da mich seine Aussagen verwirrt haben. Er schreibt:
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„Genau wie der Sauerstoff, den wir für unsere Atmung und Energieerzeugung brauchen und der zu aggressiven ROS werden kann, so kann auch NO, wenn es in zu großen Mengen im Körper vorkommt, enormen Schaden anrichten: NO reagiert gern und schnell mit Eisen, Selen, Kupfer, Mangan, Kobalt und Molybdän. Alles Spurenelemente, die häufig von Enzymen gebraucht werden. Bei zu viel NO im Körper werden alle diese Enzyme gehemmt. NO schädigt daher die Mitos massiv, macht die Atmungskette unmöglich und damit die Energiegewinnung. Viel NO bedeutet wenig Energie für Körper und Geist, schnelle Erschöpfung, Muskelschwäche…
Doch damit nicht genug. Kommen NO und ROS zusammen vor, entsteht ein noch schlimmeres Radikal, das Peroxynitrit. Es greift gnadenlos Enzyme und Proteine an und hat damit Auswirkungen auf eigentlich alle Vorgänge im Körper: Hormonsystem, Nervensystem, Immunssystem. Enzyme die von Peroxynitrit angegriffen werden, sind die SOD und die Glutathiontransferase. Damit geht auch noch ein Schutz von ROS verloren. Der Teufelskreis dreht sich weiter… „behinderte Hämoglobinbildung, verschlechterter Abbau von Cholesterin, verminderte Synthese von Hormonen, Entzündungen werden gefördert“.
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Das klingt ja alles ziemlich horrormäßig. Gerade hatte ich begonnen, meinen NO bzw. Argininspiegel mithilfe von Citrullin anzuheben. Ist also doch Vorsicht geboten????


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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#2 von Chris (edubily) , 28.05.2014 23:38

Hey Jens,

einmal kurz durchatmen und ruhig bleiben, alles cool.
Das stimmt ja alles in der Theorie und tatsächlich hemmt NO in exzessiven Mengen auch die mitochondriale Energiegewinnung indem es die eisenabhängigen Cytochrome hemmt. Aber stop mal...
Wir leben ja in einem adaptativen System, in dem wir auch über - zum Beispiel - Arginasen verfügen. Die NO immer schön im Rahmen halten. Du musst dir schon sehr viel Mühe geben und über sehr lange Zeit sehr viel mehr Arginin und Citrullin zu dir nehmen, als empfohlen.

Wir reden hier von einer ganz normalen umgedrehten U-Kurve: zu wenig (also der Durchschnittsbürger) = genauso schlecht wie zu viel.

Und glaube mir... Die Dosen, die wir hier nehmen, sind weit von so "Katastrophen" entfernt. Das kann man beispielsweise mit anderen NO-Donatoren induzieren, aber Arginin und Citrullin - da müssen die Mengen schon exorbitant über längere Zeiträume sein, eigentlich unmöglich.

Die Geschichte mit dem Peroxynitrit habe ich mehrfach in meinen Artikeln erwähnt - der s.g. nitroStress ist die Erweiterung des oxStresses und an dessen Anfang steht nicht ein Zuviel von Arginin, sondern ein zu Wenig, weil Arginin und NO selbst antioxidativ wirken.

Viel NO bedeutet etwas ganz anderes: Viel Mitochondrien, viel Immunsystem, viel Muskulatur, viel Anabol, viel Sauerstofftransport.

Nur eben nicht bei NO-Werten, die man im Labor induziert.

LG, Chris


 
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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#3 von Jens , 28.05.2014 23:42

Hey Chris,
wie immer: eine prompte und fundierte Antwort. Kann also mein Citrullin weiter nehmen (beruhigender Seufzer).
Danke.
Jens


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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#4 von Chris (edubily) , 28.05.2014 23:46

Hey Jens,
nichts zu danken! Solche Fragen sind ganz wichtig, damit das Grundverständnis und das Vertrauen in die Materie erhalten bleibt.
Dein Citrullin kannst du ohne Bedenken nehmen, nur eben nicht täglich 50g :-)

Chris


 
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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#5 von Nati ( gelöscht ) , 29.05.2014 08:00

"Ich lebe noch" war doch neulich der Marker für die Unbedenklichkeit der Dosis, gell Chris?!

Ich nehme den "guten Stoff" schon etwas länger und neige ja ein wenig zu Extremen ...

Wieviel genau wäre denn noch unbedenklich?

Welche Dosis ist noch "safe", Chris???


Liebe Grüße,

Nati


Nati

RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#6 von Chris (edubily) , 29.05.2014 11:23

Hey Nati,

schwer zu sagen - ich kann nicht sagen, "ab wann" etwas schädlich wird. Ich kann aber sagen, ab wann etwas effektiv ist und unschädlich ist.

1-2 Kalorie-% Arginin-Supplement. Bei 2400kcal wären das 24kcal, geteilt durch 4 macht 6g (1%). Obergrenze wäre demnach 12g (2%).

Aber Supplement! Nicht Arg-Supp + Arg-Nahrung. Weil ich weiß, dass jetzt wieder einige sagen: Aber ich nehme ja schon x Gramm Protein...

LG, Chris


 
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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#7 von justizia , 29.05.2014 13:34

Wie meinst Du das , Chris? Nicht Arg Supp + Arg Nahrung?? Nicht zu viel Arginin oder nicht beides zusammen nehmen?


 
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RE: Kuklinski über NO, ROS und Peroxynitrit

#8 von Chris (edubily) , 29.05.2014 15:59

Ich rede von 1-2% Arg als Supplement. Nahrungs-Arg wird nicht dazugezählt. Das heißt das Arginin aus Mandeln rechnet man nicht zu den 1-2%.


 
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