Knirschendes Kniegelenk

#1 von OnkelPaul , 19.07.2015 14:11

Hallo Community,

meine Kniescheibe knirscht bei mir, als wenn jemand Sand "ins Getriebe" geschmissen hätte. Vornehmlich bei Belastung (Hinsetzen, Aufstehen). Ich habe keine Schmerzen und mein wichtigstes Anliegen ist natürlich, dass es so bleibt. Allerdings ist es schwierig, die Muskeln aufzubauen (in der Beinpresse bei 130kg hört sich das auch nicht gerade schön an). Auch habe ich bedenken bzgl. Bergsprints und Fahrradsprints und gelegentliches Joggen. Was meint ihr dazu? Was könnte ich sportlich weiterhin tun ohne es zu einem Problem werden zu lassen. Dr. Strunz sagt ja "Kraft nimmt Schmerz". Geht das überhaupt? Wenn ja, wie?

Was könnte man in Richtung NEM tun?

PS: Vmtl. ist ein kleiner Unfall daran schuld, als ich aufs Knie gefallen bin. Zum Orthopäden werde ich vmtl. mal gehen, habe aber eigentlich keine Lust schon wieder geröntgt zu werden.


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#2 von vera8555 , 19.07.2015 15:22

Ich habe meine Knie sehr gut mit Glucosamin- Chondroitin- MSM-Präparaten hingekriegt.
Auch Cissus hilft.
Es dauert allerdings einige Wochen bis die Wirkung zu spüren ist.
Beim Joggen unbedingt keine üblichen Sportschuhe tragen. Besser möglichst flache "Barfußschuhe" und Vorfuß- bzw Mittelfußlauf.
Muskulatur unbedingt aufbauen, also Beinpresse, niedrige Gewichte und mehr Wiederholungen, Wackelbrett und Kniebeugen.
Vergiß den Orthopäden (die verbieten Laufen und Joggen und verschreiben nur Einlagen) - besser ist ein guter Osteopath.


vera8555  
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#3 von Fred , 19.07.2015 16:14

Meine Knie schmerzen bei Kniebeugen und Beinpresse. Mein Arzt und mein Physiotherapeut haben mir empfohlen bis auf weiteres auf Beinstrecken und Beinbeugen umzusteigen. Vllt. hilft Dir das auch.

Grüße
Fred


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RE: Knirschendes Kniegelenk

#4 von Don90 , 20.07.2015 08:56

Bei den Kniebeugen ist darauf zu achten, dass beim Beugen die Knie nicht nach innen ziehen.
Die Kniescheibe zieht beim Beugen in Richtung 2. Zehenstrang.

Ich hatte schon des öfteren eine Patellaluxation und muss regelmäößig meine Muskulatur stärken.

Ich kann ein MFT-Board empfehlen. Morgens beim Zähneputzen ist ein bisschen Stabilitätstraining super.

Ich mache zur Kräftigung auch noch 100 Wiederholungen (mit sehr wenig Gewicht) einbeinig an der Beinstrecker-Maschine. Jedesmal nach dem Boxtraining.
Das hat mir unheimlich gute Spannung und Stabilität gebracht, kann ich nur empfehlen.

Bei der Beinstrecker Maschine ist folgendes zu beachten:
- Wenig Gewicht, mehr Wiederholungen
- Beim Strecken des Beines wird darauf geachtet, dass die Ferse in Richtung nach vorne schiebt, so kann man eine richtige Ausführung gewährleisten.
- kein aggressives ausstrecken, sondern kontrolliert bleiben.
- Vorfuß ist angezogen
- bei Schmerzen das Gewicht reduzieren (ich arbeite ohne Gewicht, nur mit dem Eigengewicht der Maschine)
- Wenn ihr auf der Maschine sitzt, werdet ihr einen Unterschied spüren ob ihr einfach nur draufsitzt und arbeitet oder wenn ihr eine Lordose in der LWS haltet und arbeitet. Letzteres ist die richtige Variante.

Meine Schmerzen gingen so weg nach meiner letzten Patellaluxation.

Es ist ziemlich schwer soetwas zu beschreiben oder einfach nur ein Video zu sehen.
Ich tue mir recht leicht, da ich eine Personal Trainer Ausbildung habe.
Die Ausführung sollte jedenfalls kontrolliert werden von jemanden der Ahnung hat! Bei mir war das leider aber kein Physiotherapeut!


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#5 von Don90 , 20.07.2015 10:38

PS: Glucosaminsulfat in Kombination mit Glucosaminhydrochlorit und Chondroitinsulfat und MSM habe ich auch probiert.
Bitte beachten, dass man relativ hohe Dosen braucht....ich erinnere mich an um die 2000mg GLucosaminsulfat.
Habe damals von MyProtein die Produkte bestellt.

Mein Knie wurde besser, das habe ich aber eher dem Krafttraining zugeschrieben und der Physio.

Verkehrt war es aber vermutlich auch nicht.

Alles Gute!


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#6 von Axel , 22.07.2015 10:39

Ich empfehle Kniebeugen mit der Langhantel, und keine Beinpresse mehr. Wichtig ist dabei natürlich die saubere Ausführung: "below parallel", also so weit runter, dass das Hüftgelenk unterhalb des Kniegelenks ist; Knie nicht nach innen fallen lassen; Knie folgen exakt den Füßen, welche etwa 30° nach außen zeigen (etwa schulterbreiter Stand, Fersen unter den Schultern); "hip drive", also die Hüftmuskulatur aktiv zum Heben einsetzen.

Warum mit der Langhantel?

Bei richtiger Ausführung werden die Kniegelenke nicht auf Scherung belastet, sondern gleichmäßig. Die freie Hantel stellt sicher, dass nicht mehr Gewicht bewegt wird, als man im Griff hat. Wird die Bewegung geführt (Smith Machine oder Beinpresse), wird der Körper in unphysiologische Bewegungsabläufe gezwungen und der Nutzer dazu verleitet, zu hohe Gewichte aufzulegen.

Für Tipps zur sauberen Ausführung kann ich die Youtube-Videos von Johannes Kwella (deutsch) und Mark Rippetoe/Art of Manliness (englisch) empfehlen.


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RE: Knirschendes Kniegelenk

#7 von OnkelPaul , 22.07.2015 14:12

Danke ... ich nehme mir das alles mal zu herzen. Vmtl. Mache ich erst mal die Übungen, die das Knie am wenigsten belasten und dafür deutlich mehr (+ NEM) und später versuche ich die Langhantel zu integrieren.


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#8 von CaptainHungerhaken , 22.07.2015 14:18

Kniebeuge (richtig ausgeführt) belastet die Knie deutlich weniger als so mancher anderer Unsinn (Maschinen).
Bin dadurch auch erst meine Jahre langen Knieschmerzen los geworden.


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RE: Knirschendes Kniegelenk

#9 von OnkelPaul , 23.07.2015 16:08

Meinst du? Ich habe da so meine Bedenken, da es ja schon knirscht, wenn ich mich auf nen Stuhl setze.
Dazu kommt, dass ich in der Muckibude recht frisch dabei bin und bedenken hätte, dass ich die falsch mache und damit mehr kaputt mache.


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#10 von Axel , 24.07.2015 09:36

Zu Deinen Bedenken ein paar allgemeine Anmerkungen:

Für den Körper gilt grundsätzlich "use it or lose it". Heißt für mich: Erst wenn ich ihn belaste, bekommt er einen Impuls, widerstandsfähiger gegen (mehr oder weniger genau diese Art der) Belastung zu werden. Wenn ich Rückenschmerzen habe, weil die mein Rückgrat stützende Muskulatur zu schwach ist, muss ich diese stärken. Indem ich sie belaste und dem Körper danach Zeit und Material gebe, um sie aufzubauen.

Für den passiven Bewegungsapparat, Knochen, Sehnen und auch Gelenke, gilt das ganz genauso. Es geht nur langsamer mit dem Aufbau. Die Krafttrainingsforen, in denen ich so lese, sind voll von Leuten, die trotz Arthrose-Diagnose Kniebeugen mit weit mehr als ihrem Eigengewicht auf den Schultern durchführen.

Ein Denkanstoß zu Gelenken: Durch den Knorpel führen keine Blutgefäße. Aber Knorpel ist lebendes Gewebe. Wie wird er also versorgt mit Nährstoffen und Mineralien? Indem er ab und zu mal zusammengestaucht wird und beim Entspannen nach der Belastung die Chance hat, diese aus der Umgebung aufzunehmen.

Natürlich ist es angezeigt, vor jedem neuen Training zu prüfen, ob es passt. Entweder holst Du Dir grünes Licht vom Arzt (kritisch, weil die nichts über Krafttraining lernen und meiner Meinung nach mit enormen Vorurteilen und krassen Falschansichten an sowas herangehen), oder Du hörst auf Deinen Körper, oder beides. Außerdem empfehle ich physiologische Bewegungen: die Kniebeuge (schau Dir Kleinkinder an, oder Menschen in Entwicklungsländern, die oft in der Hocke ausruhen oder warten), Kreuzheben (das Aufheben von Sachen vom Boden), Drücken (Überkopf, also "Regal auffüllen") und Klimmzüge. Und natürlich ist schrittweises Anpassen der Belastung angesagt. Ich habe mir gerade Mikroscheiben (0,5 kg) für meine Langhantel bestellt, um in feineren Schritten dosieren zu können. Wenn Dein Studio keine kleinen (1,25 kg) oder Mikroscheiben hat und Du sie brauchst, dann kauf welche und nimm sie mit zum Training.

Eine Anmerkung zum Training: Nach meiner persönlichen Erfahrung und Lektüre haben so etwa 80-90 % der Trainer in Fitnessstudios keinerlei Ahnung von Anatomie, Biomechanik und Trainingslehre. Würde ich noch in einem Studio trainieren und nicht zu Hause, müsste ich mir jedes Mal anhören, was ich alles falsch mache. Nach gängiger Mainstream-Auffassung darf man Kniebeugen nämlich nicht tief machen, sollte aber dafür viel mehr Gewicht auflegen, als man "von unten" wieder hochbekäme (viel Gewicht schmeichelt dem Ego), Kreuzheben muss man mit rundem Rücken (autsch!) und Bizepseinsatz ausführen, Überkopf-Drücken macht sowieso niemand, Bankdrücken muss man, weil das die Strandmuskeln aufpumpt (dafür ruinieren sich viele die Schultern damit durch falsche Ausführung und, natürlich Ego-Gewicht). Usw.

Einen kompetenten Trainer für Hanteltraining zu finden, wird sehr, sehr schwierig. Ich empfehle Dir also dringend, Dich selbst mit der Materie zu beschäftigen. Mir hat "Starting Strength Basic Barbell Training" enorm weitergeholfen, und inzwischen gibt's davon auch eine deutsche Ausgabe.



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zuletzt bearbeitet 24.07.2015 | Top

RE: Knirschendes Kniegelenk

#11 von Markus , 24.07.2015 09:59

Sehr schön geschrieben Axel!

Ein Buch, das ich gerade begeistert les, möchte ich noch gerne zu dem Thema ergänzen: "Werde ein geschmeidiger Leopard" von Kelly Starrett.

Hier werden in der einen Hälfte die meisten Big Lifts sowie Olympischen Lifts detailliert beschrieben und in der zweiten Hälfte Mobilisationsübungen für einen vollständigen Bewegungsumfang besprochen. Wer keinen wirklich guten Personal Trainer hat. aber noch über ein gesunden Körperbewußtsein verfügt, ist hier ausgesprochen gut aufgehoben.


„Wenn man sich die Methoden betrachtet mit denen die Pharmaindustrie die Entscheidungsträger unter Druck setzt, so gehören die eigentlich in die mafiösen Strukturen.“
Uwe Dolata (Kriminalhauptkommissar) in "Das Pharmakartell: Wie wir als Patienten betrogen werden", Frontal21, 2008.


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#12 von OnkelPaul , 24.07.2015 12:24

Danke. Ich werde mich mal stärker diesbezüglich informieren.


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#13 von OnkelPaul , 24.07.2015 12:41

Spricht was gegen HIIT Training (8x20s Bergsprints (1Min. Pause))? Oder ist das sogar gut?


 
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RE: Knirschendes Kniegelenk

#14 von Axel , 24.07.2015 13:11

Danke, Markus! "Supple Leopard" ist ein klasse Buch, keine Frage!

Zum HII-Taining, Paul, wäre meine Haltung: Wenn Du es richtig machst, also intensiv, ist es bestimmt zu viel für Deine Knie. Machst Du's nur halbgar, verdient es den Namen HIIT nicht und ist vermutlich eher Zeitverschwendung.

Warum bin ich so ein großer Anhänger der Langhantel geworden? Weil sie es ermöglicht, extrem punktgenau zu trainieren. Die Bewegungen sind immer kontrolliert, es treten keine Lastspitzen auf, das Verletzungsrisiko ist minimal. Man muss schon etwas falsch machen, um sich zu verletzen. Das Gewicht kann extrem genau eingestellt werden. Bist Du zu schwach, um 60 kg zu beugen, dann beugst Du eben 40 kg oder 20 und arbeitest Dich von da aus langsam hoch. Ist Dir der Sprung von 30 auf 35 kg zu schwer, gehst Du eben über einen Zwischenschritt hoch: 30-32,5-35. Überlastung ausgeschlossen, wenn Du mit Verstand und Gefühl rangehst. Details und Anleitungen enthält SS:BBT in Hülle und Fülle.

Ich würde die dynamischen Belastungen erst in Erwägung ziehen, wenn Du eine Kraft-Basis aufgebaut hast. Als Richtlinie für den Übergang vom Schwächling zum Anfänger-Gewichtheber lese ich regelmäßig von "kann sein Körpergewicht in Eisen beugen". Ein paar Monate wirst Du dafür wohl ansetzen müssen, ich befinde mich gerade an dieser Schwelle...

Generell stellt sich die Frage, wofür Du das erheblich höhere Verletzungsrisiko bei HIIT eintauschst. Was ist der Vorteil gegenüber Heben? Dass Du nicht in ein muffiges Studio mit lauter Bro-Idioten musst? Nachvollziehbar - dann mach's wie ich und stell Dir einen Power Cage in den Keller. Die Investition motiviert dann auch, an der Sache dranzubleiben.


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